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Die Landwirtschaft.
Die Kultur des Ackers in Marokko wird, wo ' ten die Differenzen, die der Tag unter den Angehödas
berberische Bevölkerungselement überwiegt, wenn rigen der Kabyle gezeitigt hat.
auch primitiv, so doch mit Fleiss und Sorgfalt be- Wird schon der Dung nicht benutzt, so ist
trieben. Afrikaner, die an die Nachlässigkeit der die Ameliorierung des Bodens völlig unbekannt.
Eingeborenen von Oran oder Algier gewöhnt sind, Der Marokkaner, ob reich oder arm, hat sich noch
würden überrascht sein, in Südmarokko weite Fluren niemals mit der Analyse seines Bodens beschäftigt,
zu sehen, auf denen kein Unkraut geduldet wird. fehlt ihm doch hierzu jede Kenntnis.
Die wirtschaftliche Tüchtigkeit des Rif-, Sus- Die Einsaat geschieht durch Streuen mit der
und Gharb-Bewohners steht bei den algerischen Ko- Hand und nach unseren Begriffen immer zu dicht.
lonisten in bestem Rufe. Der marokkanische „Sachsen- Doch ist dies durch die schlechte Vorbereitung des
gänger“ hat in Algerien nicht wenig zur Renta- Bodens fast eine Notwendigkeit. Die Egge, die Walze,
bilität moderner Landwirtschaft beigetragen. Leider überhaupt alle landwirtschaftlichen Instrumente ausser
kann der marokkanische Ackerbauer das eigene Land dem primitiven Pflug und der Sichel sind in Manicht
auf eine höhere Wirtschaftsstufe heben, einmal rokko unbekannt.
wegen der herrschenden politischen Zustände, so- Der Araber, der sich als Landwirt von dem
dann wegen des Mangels an Bekanntschaft mit den _Berber unvorteilhaft unterscheidet, kratzt den Boden
Errungenschaften moderner landwirtschaftlicher Tech- auf, wirft sein Saatkorn in die Erde und damit
nik. genug. Kein Jäten, kein Hacken! Von dem Zeit-Der
Marokkaner hat einige Kenntnis der Be- punkt an, wo das Korn ausgesät ist, bis zum Eindeutung
der Fruchtfolge. Er weiss insbesondere, tritt der Ernte kümmert sich niemand um das bedass
man nicht mehrere Jahre hintereinander Weizen stellte Feld.
auf demselben Acker bauen darf. Aber er lässt dem Der sesshafte Berber lässt seinem Feld mehr
Acker in seltenen Fällen eine intensive Bearbeitung Pflege angedeihen, beschwert sich aber ebensowenig
zu teil werden, sondern zieht es vor, sobald der wie der nomadisierende Araber mit landwirtschaft-Boden
Erschöpfung zeigt, andere Fluren aufzusuchen lichen Geräten. Die Getreideernte geschieht mit der
und sät bald auf der einen, bald auf der anderen Sichel. Das Getreide wird 10 oder 20 cm unterhalb
Seite des Geländes. der Ähren geschnitten. Die in kleine Garben gebun-In
der Gegend von Tanger kennt man nur fol- denen Ähren werden auf Eseln zur Tenne geschafft.
gende Fruchtfolge: Erstes Jahr Weizen oder Gerste, Wagen gibt es nicht eimnal in den wohlhabendsten
zweites Jahr Hirse (sorghum), drittes Jahr Weizen Gegenden. Abgesehen von der Stadt Tanger sind
oder Gerste, viertes Jahr Hirse usw. sie in ganz Marokko unbekannt.
Das Ackern geschieht im allgemeinen sehr ober- Das Ausdreschen der Körner geschieht durch
Hächlich. Im Süden ist der stets primitive Pilug Tiere (Pferde, Maultiere, Esel), die man über die
etwas grösser als im Norden und gestattet im lockeren auf der Tenne liegenden Ähren treibt. Den Dresch-Boden
das Eindringen in eine Tiefe von 20 bis fegel kennt man also nicht und nicht einmal den in
25 cm. Aber Frühjahrs- und Sommerarbeit ist unter anderen Gegenden des Orients seit Jahrtausenden geden
arabischen Stämmen vollständig unbekannt. Der bräuchlichen Dresch schlitten.
Maure bearbeitet sein Feld nur, wenn er die Ein- Die Zahl der in Marokko gebauten Feldfrüchte ist
5saat machen will. verhältnismässig klein. Im Süden, besonders in der
Der oft sehr reichliche Dung wird in der ma- Schauja und Dukkala, herrscht der Weizen vor,
rokkanischen Landwirtschaft selten ausgenutzt. Die ferner baut man Gerste, Mais, weisse Boh-Marokkaner
ziehen es vor, ihn um die Städte auf- nen und Kanariensamen. Man hat: auch
zuhäufen. Vor den Toren von Alkassar, El Kebir, Versuche mit dem Anbau von Flachs in grösse-Udschda,
Fes findet man förmliche Dungwälle. Auf rem Umfange gemacht. Sie haben gute Fruchtresuldem
Lande werden die Abfälle beharrlich in die tate ergeben, aber wohl nicht alle wirtschaftlichen
Mitte des Dorfes auf einen zu diesem Zweck frei- Erwartungen erfüllt. — Die Mauren säen ihn fast
gehaltenen Platz geworfen. Dort sitzen jeden Abend nicht mehr. Doch hat diese Kultur in Marokko eine
die Notabeln auf dem unreinen Haufen, der zu- grosse Zukunft, denn die gewonnene Faser ist von
weilen die Hütten überragt, halten Rat und schlich- ganz hervorragender Güte. Die Misserfolge stammen