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Reisen und Verkehr in Marokko.
Die mannigfachen Erörterungen über Marokko haben würden bei fünf Personen „erster Klasse“ etwa auf
es zu Wege gebracht, dass dieses ferne Land unserm 640 M. per Kopf, in „zweiter Klasse“ auf etwa 240 M.
Gesichtskreis sehr nahe gerückt ist. Viele werden nun per Kopf kommen.
meinen, dass es keine grosse Sache sei, einmal die Reise Geschäftsreisende werden es als eine Annehmlich-
zu wagen und den ewigen Itaken-Fahrten den Weg in keit empfinden, dass man die grösseren Kaufleute nicht
ein weniger bekanntes Land, in weniger ausgefahrenen aufzusuchen braucht, sondern zu sich einladen kann,
Geleisen folgen zu lassen. Aber ganz so ist es wohl und dass man durch den Dolmetsch oder durch die
doch nicht. Freilich, die Küstenplätze sind nicht gar zahlreich vorhandenen Juden sich mit ihnen auf
schwer zu erreichen, aber wenn es eine Reise ins Innere Französisch verständigen kann. Die französische
gilt, so ergeben sich gleich ganz andere Massstäbe und Sprache genügt auch zur Not im schriftlichen Verkehr
Gesichtspunkte als auf gewohnteren Wegen. mit den Hafenorten des Landes und den jüdischen Kauf-
Zunächst: Eisenbahnen gibt es nicht.*) Nicht einmal leuten im Innern, die meist in den Schulen der „Alli-
die Hauptstadt, Fes, hat eine Bahnverbindung, das beste ance Israölite“ eine europäischere Bildung geniessen.
Beförderungsmittel sind Maultiere und Kamele. Fes ist Dagegen wird von allen Kennern der Verhältnisse
von Tanger in 6 Tagen, von Larasch in 4 Tagen empfohlen, zur Ausbreitung des Handelsverkehrs sich
zu erreichen. Dabei beträgt die Entfernung nur 250 resp. in Katalogen und sonstigen Reklame-Drucksachen der
180 Kilometer. Rechnet man für den Weg von Tanger einheimischen Sprache — nämlich des marokkanischen
nach Fes und den Rückweg 12 Tage, und 8 Tage für _Dialekts der arabischen Sprache — zu bedienen. — Die
den Aufenthalt in Fes, so kommen 20 Tage heraus, für in Marokko mit eigenen Postämtern versehenen Staaten
die man je nach den Ansprüchen an Bequemlichkeit mit — vor allem Deutschland und Frankreich — haben die
einem Betrage von 900 bis 2200 Pesetas Hassani (etwa Geltung des gewöhnlichen Inlandsportos im Verkehr mit
480 bis 1200 Mark) zu rechnen hat. In dem höheren Marokko durchgeführt.
Betrage sind Zeltmiete (200 Mk.) und die Gebühr für Der Postverkehr von Tanger nach Fes und in um-
den begleitenden Soldaten (120 Mk.) nicht mit einbe- gekehrter Richtung geht täglich (ausser Sonntags). Für
griffen. Frachten fehlt es noch an jedem geregelten Verkehr und
Die sonstigen Hauptausgaben sind: auch ein fester Tarif besteht noch nicht. Immerhin
5 Maultiere (a 5,60 M. per Tag incl. Futter) 560 M. werden die folgenden Angaben einen ungefähren Über-
Dienerschaft (2 Maultiertreiber, ein Koch und blick gestatten.
ein Führer und ein Dolmetsch) . . . . 256 Der Transport geht mittelst Maultieren, Eseln und
Verpflegung der Reisenden (16 M. per Tag). 320 „ Kamelen vor sich. Die Maximallasten (in zwei Halb-
Unterkunft unterwegs und in Fes. . . . . 200 „ _Iasten verteilt) sind
Billig ist die Sache also nicht. Dafür aber reist per Maultier 180 Kilogramm
man — unterwegs wenigstens — „in grossem Stil“. „Esel 80 ”
Andererseits muss man in Fes wieder mit einer Unter- „ Kamel 250 ”
kunft vorlieb nehmen, die garnichts Imposantes hat. (G,ögsere als die hier angegebenen Halblasten werden
Dort gibt es nämlich weder Hotels ersten, noch irgend nittels eines Holzgestells von je zwei Maultieren oder
eines anderen Ranges, und der Reisende muss froh Kamelen befördert, unterliegen aber wesentlich höheren
sein, wenn es ihm durch allerlei Protektion gelingt in Frachtsätzen. Gewöhnlich rechnet man:
einem nicht allzu schmutzigen Hause, meistens bei einem Transport von Tanger nach Fes
„Schutzbefohlenen“, ein Obdach zu finden. | per Maultier (Dauer 8 Tage) 30—50 M.
Die billi gere Reise unterscheidet sich von der per Kamel (Dauer 12 Tage) 20—35 M.
oben skizzierten im wesentlichen durch das kleinere Per- Transport von Larasch nach Fes
sonal (nur ein Maultiertreiber, Koch und Dolmetsch per Maultier (Dauer 5 Tage) 18—22 M.
in einer Person, keine militärische Begleitung) ferner per Kamel (Dauer 8 Tage) 11—16 M.
dadurch, dass man in der Verpflegung mit den landes- Auf die Tonne berechnet, betragen die hier ange-
üblichen Lebensmitteln (Eier, Hühner, grobes Brot) ebenen Frachtsätze etwa:
Sich begnügt etc. etc. 4 von Tanger von Larasch
Findet sich eine kleine Reisegesellschaft zusammen, Fjjgout“ (per Maultier) 180—250 M. 100—120 M.
So verringern sich die Kosten natürlich bedeutend und © Frachtgut“ (per Kamel) 80—145 M. 40—65 M.
*) Über die kleinen Anfänge s. S. 15—16. —— nn