Erstes Kapitel:
Die Naturphilosophie.
Trotz seiner Verneinung der Wissenschaft und ihrer Prinzi-
pien bot der Skepticismus dennoch den ersten Stützpunkt für die
allgemeine philosophische Fragestellung, die statt der Dinge
das Subjekt und seine eigentümliche Funktion in den Mittelpunkt
der Betrachtung rückt. Was verloren ging, war, wie sich zuletzt
zeigte ‚im Grunde nur eine bestimmte Ansicht der äusseren ding-
lichen Welt: damit aber war zugleich eine Schranke beseitigt, die
der reinen Erfassung des Ich bisher entgegenstand. Blicken wir
von hier aus zu der Naturphilosophie der Renaissance hinüber,
wie sie sich gleichzeitig und einstimmig in Deutschland und Italien
entwickelte, so stellt sich uns eine bezeichnende Umkehrung in
der Abfolge und Abhängigkeit der beiden Grundmomente dar
Völlig und ungeteilt ist die Forschung hier auf das Objektive ge-
richtet, dessen Sicherheit ihr von Anbeginn in der Wahrnehmung
und anschaulichen Vorstellung verbürgt ist. Kein kritischer Zweifel
stört diese erste unmittelbare Gewissheit: alle Kräfte des Geistes,
die Empfindung sowohl wie die sinnliche Phantasie, werden gleich
unbefangen befragt und als objektive Zeugen hingenommen. Und
dennoch vollzieht sich auch hier, gleichsam ungewollt und un-
vermutet, eine neue Entwicklung. Indem das Denken der Zeit an
einer Umgestaltung des Naturbegriffs arbeitet, wandelt sich ihm
unvermerkt zugleich die Auffassung und die Definition der Er-
kenntnis. War die Skepsis von der begrifflichen Auflösung der
äusseren Wirklichkeit ausgegangen, um in der Gewissheit des
Inneren“ ihre Grenze und ihren Ruhepunkt zu finden, so steht