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Die Nachbarländer Persiens.
Afghanistan.
Areal 624000 qkm — ca. 5 Millionen Einwohner —
8 per qkm.
Afghanistan ist eine absolute Monarchie, die stans finden wir iranisierte Mongolen (3% Millionen,
unter einem Emir steht. Der jetzige Herrscher ist worunter die sunnitischen Aimaks und die schiitischen
Habibullah Khan (geboren 3. Juli 1872 — Hasaras), und über das ganze Land verbreitet die per-
Thronbesteigung am 3. Okt. 1901). Thronfolger ist _sischen Tadschik (1 Million, meist vom Handel lebend),
Inaitullah Khan, ein Sohn des jetzigen Emirs, (erner Hindus (Hindki) und die sunnitischen Dschat.
geboren 20. Okt. 1888. Von Schiiten sind noch die Kisilbaschis zu nennen, in
Das Land grenzt im Norden an die Russisch-Zen- deren Händen sich Grosshandel und Wechselgeschäft
tralasiatischen Provinzen Turkestan und Bochara, im befinden. Der Hauptstamm der Afghanen teilt sich
Osten an Britisch Indien (Provinzen Kaschmir und in Dorrani, Ghilsais und einige kleinere Stämme. —
Pandschab), im Süden an das teilweise unter britischer Die Aighanen sollen eine Tradition haben, die den
Administration stehende Belutschistan und im Westen Ursprung des Volkes von den „Zehn Stämmen“ her-
an Persien. — Diese geographische Lage bedingt seine leitet. Die Zahl der Juden im Lande ist sehr un-
Rolle als eine Art Pufferstaat zwischen den englischen sicher, die Angaben schwanken zwischen 20000 und
und russischen Besitzungen in Asien, während Af- ca. 40 000, wobei in der kleineren Zahl manchmal noch
ghanistans Eigenschaft als mohammedanischer Staat die Juden von Turkestan mitinbegriffen sein sollen.
einem politischen Anschluss an Persien und das Tür- In Kabul sollen 2000 Juden leben, sonstige grössere
kische Reich günstig scheinen muss. Diesen eigen- Gemeinden befinden sich in Herat, Kandahar,
artigen Verhältnissen ist es zuzuschreiben, dass der Ghazni und Balkh. In diesen Städten haben sie
Emir von der indischen Regierung Subsidien in Höhe gesonderte Quartiere. Ihre Sprache ist meist persisch.
von jährlich 1800000 Rupien erhält, dass Russland Zum Militärdienst sind sie nicht zugelassen und haben
gleichfalls sucht ihn sich finanziell zu verpflichten, und eine Militär-Befreiungssteuer zu zahlen. — Das Christen-
dass er — um zwischen den beiden rivalisierenden tum hat in Afghanistan bisher keinen Eingang ge-
Grossmächten seine Selbständigkeit zu wahren — ([unden.
seinem Heerwesen die grössten Opfer bringt und in Landwirtschaft. Die Bodenwirlschafl Wird
N Dee aM En Offiziere als Instrukteure von 5 Kategorien von Arbeitskräften betri eben: Kleine
7 nn } © esiıtzer, Pächter, Metayers (Halbscheit-Pächter), Lohn-
Das Land ist sehr bergig. Der Hauptgebirgsstock ist arbeiter und Sklaven. In Sn meisten GE wird
das Hindukusch-Gebirge, dessen höchste Er- Winter- und Sommerfrucht angebaut. Die hauptsäch-
hebung 7750 m beträgt und das mit seinen Neben- yiohsten Landesprodukte sind: Hirse, Weizen, Gerste
keiten fast drei Viertel des ganzen Landes einnimmt. Linsen, in den heisseren Gegenden Reis, Zuckerrohr,
Das Land ist reich an Mineralschätzen Baumwolle, Tabak und Datteln. In den kühleren Lan.
(Gold, Silber, Kupfer, Rubine, Eisen, Kohle etc.). d desteilen gedeihen die in Europa üblichen Obstarten
Von Flüssen sind zu erwähnen: der Hilmend, we Aprikosen, Birnen, Aepfel, Walnüsse und Wein-
der ebenso wie einige andere kleinere Flüsse in den trauben.
Salzsümpfen uud Seen Seistans sein Ende findet, der .
Amudarja (mündet in das Kaspische Meer) und Industrie. Die früher bedeutende Teppich-
der Kabul-Fluss, ein Nebenfluss des Indus. weberei von Herat ist durch Auswanderung der
Das Klima ist kontinental. Die Vegetation zeigt Teppichweber stark zurückgegangen. Die Seidenpro-
in den höheren Strichen europäischen Charakter. In duktion hat nur für das Inland Bedeutung. Gewebe
den trockneren Gebieten ist die Landwirtschaft auf und Filze werden aus Wolle, Ziegen- und Kamelhaar
künstliche Bewässerung angewiesen. hergestellt. Schafpelze werden in bedeutenden Quanti-
Die Bevölkerung beträgt annähernd 5 Millionen täten nach dem Pandschab verkauft. Rosenkränze
und besteht zu einem Drittel aus eigentlichen Aighanen gehen nach Mekka, In Kabul gibt es auch eine Seifen-
(Iranier mit indischem und semitischem Einschlag), industrie und eine Anzahl kleinere Gewerbe für den
die die südlichen zwei Drittel des Landes bewohnen Inlandsmarkt.
und auch auf indisches Gebiet (die Afridis bei Pi- Handel. Ueber den Handel Afghanistans sind
schawar) übergreifen. Im nördlichen Drittel Afghani- zuverlässige Ziffern schwer erhältlich. Den Grenz-