wirtschaft eine Errungenschaft der Neuzeit. 141
zeichnet wird; ob wir in ihr, die der deutschen vorausgeeilt ist
und seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, über den Standpuntt,
den in den letzten Jahrzehnten Deutschland und Frankreich einnahmen,
hinausgehend, den Agrarschutz vollständig fallen gelassen
hat, das ideale Bild der Zukunft sehen sollen. Js es etwa
das Ziel der Entwicklung fortschreitender Staaten, sich ganz auf
Handel und Jndustrie einzurichten und sich mit dem Bezug der
landwirtschaftlichen Produkte von außen her zu begnügen?
Darf als das schließliche Ideal der vollkommene Austausch, die
streng konsequente Ergänzung der Wirtschaften der verschiedenen
Staaten gelten? Hiergegen erhebt sich doch eben das
von uns in unserer Untersuchung gewonnene Refsultat, daß gerade
im Fortschritt der Zeit die Überzeugung von der hohen
Bedeutung der Landwirtschaft und des ländlichen Lebens für
den ganzen Staat, für das gesamte nationale Leben wächst.
Die einseitige Politik Englands kann um so weniger als allgemein
gültige Zukunftsnorm aufgefaßt werden, als sie bereits vor
dem großen Weltkrieg Schattenseiten sehen ließ, als bereits
damals der Ruf: „zurück aufs Land!" erscholl. Der Krieg hat
dann das Erfahrungsmaterial um ganz gewaltige Beobachtungsblöcke
vermehrt. Wenn England die Vernachlässigung der
eigenen Landwirtschaft glaubte auf sich nehmen zu können,
weil es sich den Verkehr mit seinen Kolonien und den großen
Getreideproduktionsländern der Weltwirtschaft durch eine starke
Flotte und Flottenstützpunkte sicherte, so wissen wir heute, daß
es damit keineswegs unbedingt gesichert ist. Eine neue Gruppierung
der Mächte mit starker Flotte kann zudem für die Zukunft
auch den Vorrang beseitigen, den England bisher immerhin
noch auf dem Meer besitzt. Und mit diesenErwägungenwird überdiesnur
die Frage der ErnährungEnglands berührt; es wären die
andern Beziehungen, in denen sich die Bedeutung der Landwirtschaft
und der ländlichen Verhältnisse für das Volkslehen
äußert, hinzuzunehmen. Weit entfernt also, uns die allgemein
gültige Zukunftsnorm zu zeigen, liefert die neueste Geschichte
Englands vielmehr ergiebiges Material für die Kritik einer solchen
Anschauung. So schwierig es sein wird, die richtigen Linien