Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

172 ULV. Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker,
logische Natur der Wirtschaftsstufen“ deutlich ausgesprochen;
in der zweiten habe er die betreffenden Stellen so gefaßt, daß
„sie künftig bei gutem Willen nicht mehr sollten mißverstanden
werden können“. Er hat hierbei offenbar S. 53 f. der zweiten
Auflage im Auge, wo (zu S. 10 der ersten) die Sätze eingeschoben
 sind: (Die Aufstellung von Wirtsschaftsstufen) ,ist der
einzige Weg, auf dem der Wirtschaftstheoretiker die Forschungsergebnisse
 des Wirtschaftshistorikers sich dienstbar machen kann.
Aber jene Entwicklungsstufen sind nicht zu verwechseln mit den
Zeitepochen, nach denen der Historiker seinen Stoff einteilt.
Der Historiker darf in eimem Zeitalter nichts zu erzählen vergessen,
 was sich in ihm ereignet hat!), während die Stufen des
Theoretikers nur das Normale zu bezeichnen brauchen, das Zufällige
 aber getrost außer acht lassen dürfen." Ich bezweifle,
daß viele Nationalökonomen sich ein so freies Verhältnjs zu dem
historischen Stoff gestatten ~ über das Material, das die Gegenwart
 liefert, müßten sie dann in derselben souveränen Weise
schalten. Ich weiß sehr wohl, daß man rein logische Kategorien
bilden kann; aber Stufen, die man sich in irgend einer, wenn
auch unsicheren, chronologischen Beziehung denkt, haben keine
wesentlich „logische Natur“ mehr. Mag jedoch der Nationalökonom
 Wirtschaftstheorie und Wirtschaftsgeschichte noch so sehr
trennen, wir Historiker halten uns an das, was er in der Form
eines historischen Urteils ausspricht. Mögen ihm unsere Berichtigungen
 noch so kleinlich erscheinen, wie korrigieren das, was
uns unrichtig erscheint. Daß Bücher übrigens die strittigen
Puntte nicht als volllommen gleichgültig ansieht, beweist er durch
die Änderungen, die er auf unsern Widerspruch hin vorgenommen
 hat, und sie finden sich in Säten, die – wenigstens für den
Historiker + sehr viel besagen?). Man macht aber die Beobach-1)
 Glücklicherweise liegt uns eine so fürchterliche Pflicht nicht ob!
Vgl. Ed. Meyer, Kl. Schriften S. 87, Anm.
2) Ulrich Wilcken konstatiert a. a. O. 1, 664 Anm. 1 die Entfernung
des Satzes, daß die Periode der geschlossenen Hauswirtschaft von den
Anfängen der Kultur bis in das Mittelalter hinein (etwa bis zum
Beginn des zweiten Jahrtausends unserer Zeitrechnung) reiche (erste
            
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