Metadata: Entwicklung der Reklame vom Altertum bis zur Gegenwart

207 
FÜRST UND KÜNSTLER 
diese Idee, um auf Gobelins seinen Sieg über die Engländer dar- 
stellen zu lassen. Franz I. legte so großen Wert darauf, daß 
sein Name ‚durch die Kunst geadelt würde, daß er Lio- 
nardo gestattete, sechs Jahre lang nichts anderes, als die 
Haare einer Dame zu malen, und es nicht duldete, daß der 
Meister anders als in seinen Arm starb. Maximilian II 
übertrug dem Maler Albrecht Dürer das von den großen 
Gelehrten ausgearbeitete Programm der Verherrlichung seines 
Stammbaumes, In Ausführung dieses Auftrages malte Dürer 
die Ehrenpforte Maximilians, bestehend aus 92 großen Tafeln, 
seinen Triumphzug und zahlreiche Bildnisse (1527 bis 1576). 
Ludwig XIV. (Regierung 1643—1715) vergaß über den Glanz 
und Ruhm der Gegenwart auch der Zukunft nicht; wie in 
den Gemälden und Statuen von Versailles wollte er auch in 
Erzählung und Lied für die Nachwelt weiter leben. 
Er gewährte Gelehrten und Dichtern Wohltaten; aber er 
wurde dabei keineswegs von idealer Liebe und Begeisterung 
für Wissenschaft und Poesie geleitet, sondern was er darin 
suchte, war lediglich er selbst, sein Ruhm, seine Verherr- 
lichung. Sein Minister Colbert umgab sich mit einem Komitee 
von gelehrten Dichtern, in dem die preisenden Inschriften für 
die königlichen Gebäude ersonnen und alle Lobgedichte 
auf den König geprüft und verbessert wurden, um dann 
durch die eigene Druckerei des Palastes dem Publikum 
übergeben zu werden. Aus diesem Komitee entstand die 
Akademie der Medaillen, Inschriften und schönen Wissen- 
schaften — ein Titel, der genau ihrer ursprünglichen Be- 
stimmung entspricht. Aber dieser Kreis von Lobspenden 
genügte nicht; man mußte in ganz Frankreich, in ganz Europa 
die Anregung zu dem großen Konzert von Lobsprüchen auf 
den „König Sonne‘ geben, man mußte sich zahlreiche 
„Trompeten der Tugenden des Königs“ sichern. 
Das war die Ursache für die vielfachen Pensionen 
an Schriftsteller und Gelehrte, Pensionen, aus denen man 
fälschlich Ludwig: XIV. ein hohes Verdienst hat machen 
wollen. Wie alle Dinge, so betrachtete er auch die Werke 
des Geistes nur in Beziehung auf seine eigene Persönlichkeit. ?) 
N Hellwald, Kulturgeschichte, Verlag P. Friesenhahn, Leipzig 
[898, 4. Bd.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.