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FÜRST UND KÜNSTLER
diese Idee, um auf Gobelins seinen Sieg über die Engländer dar-
stellen zu lassen. Franz I. legte so großen Wert darauf, daß
sein Name ‚durch die Kunst geadelt würde, daß er Lio-
nardo gestattete, sechs Jahre lang nichts anderes, als die
Haare einer Dame zu malen, und es nicht duldete, daß der
Meister anders als in seinen Arm starb. Maximilian II
übertrug dem Maler Albrecht Dürer das von den großen
Gelehrten ausgearbeitete Programm der Verherrlichung seines
Stammbaumes, In Ausführung dieses Auftrages malte Dürer
die Ehrenpforte Maximilians, bestehend aus 92 großen Tafeln,
seinen Triumphzug und zahlreiche Bildnisse (1527 bis 1576).
Ludwig XIV. (Regierung 1643—1715) vergaß über den Glanz
und Ruhm der Gegenwart auch der Zukunft nicht; wie in
den Gemälden und Statuen von Versailles wollte er auch in
Erzählung und Lied für die Nachwelt weiter leben.
Er gewährte Gelehrten und Dichtern Wohltaten; aber er
wurde dabei keineswegs von idealer Liebe und Begeisterung
für Wissenschaft und Poesie geleitet, sondern was er darin
suchte, war lediglich er selbst, sein Ruhm, seine Verherr-
lichung. Sein Minister Colbert umgab sich mit einem Komitee
von gelehrten Dichtern, in dem die preisenden Inschriften für
die königlichen Gebäude ersonnen und alle Lobgedichte
auf den König geprüft und verbessert wurden, um dann
durch die eigene Druckerei des Palastes dem Publikum
übergeben zu werden. Aus diesem Komitee entstand die
Akademie der Medaillen, Inschriften und schönen Wissen-
schaften — ein Titel, der genau ihrer ursprünglichen Be-
stimmung entspricht. Aber dieser Kreis von Lobspenden
genügte nicht; man mußte in ganz Frankreich, in ganz Europa
die Anregung zu dem großen Konzert von Lobsprüchen auf
den „König Sonne‘ geben, man mußte sich zahlreiche
„Trompeten der Tugenden des Königs“ sichern.
Das war die Ursache für die vielfachen Pensionen
an Schriftsteller und Gelehrte, Pensionen, aus denen man
fälschlich Ludwig: XIV. ein hohes Verdienst hat machen
wollen. Wie alle Dinge, so betrachtete er auch die Werke
des Geistes nur in Beziehung auf seine eigene Persönlichkeit. ?)
N Hellwald, Kulturgeschichte, Verlag P. Friesenhahn, Leipzig
[898, 4. Bd.