186 IV. Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker,
stets mit einer bestimmten Entwicklungsstufe zusammenhängen ?).
Ein Ausdruck seines Bemühens, eine einfache Entwicklungs-
linie zu zeichnen, ist offenbar auch die zu geringe Zahl der Kate-
gorien?), die Bücher aufstellt®).
1) Diesen Gesichtspunkt habe ich in der Z. f. Soz.- u. W. G. 5,
240 ff. (wiederabgedruckt in Territorium und Stadt S. 336 ff.) gegen
Bücher geltend gemacht. Ebenso Sombart S. 386. ~ Es ist eine
Modekrankheit, unter Außerachtlassung jenes Gesichtspunktes die ein-
zelnen historischen Erscheinungen in eine Entwicklungsreihe einzu-
schachteln und auch ohne ein höheres Prinzip die Dinge unter dem
Schema des Aufsteigens und Abssteigens zu betrachten. Vgl. darüber
H. Z. 81, 268 und m. Territorium und Stadt S. Kl f., sowie die da-
selbst genannte Literatur; oben S. 163 Anm. 1 und S. 164 Anm. 1.
Für die Schädlichkeit jenes Verfahrens liefert u. a. Priebatsch in
seiner wegen der fleißigen Verwertung gedruckten und ungedruckten
Materials verdiensstlichen Arbeit über den märkischen Handel am Aus-
gange des. Mittelalters (s.. oben S. 154 Anm. 1) einen Beleg. In
einer Art, die oft an Lamprechts Methode (H. Z. 71, 468 ff.; 77, 385 ff.)
erinnert, werden alle möglichen, teils ganz harmlosen teils den all-
gemeinen Zuständen und Ideen des Mittelalters (vgl. z. B. S. 30)
entsprechenden Erscheinungen als Zeichen des „Verfalls“ gedeutet.
2) Vgl. oben S. 174 Anm. 4:;
3) Es ist für den Zusammenhang unserer Untersuchung nicht not-
wendig, daß wir auf die Angriffe Büchers gegen die historische Schule
der Nationalökonomie eingehen. Der Historiker wird aber mit Interesse
von einigen der Säte Kenntnis nehmen, mit denen Hasbach sie in
seiner Anzeige der ersten Auflage von Büchers Schrift, Gött.Gel.
Anz. 1894, S. 528 ff. beantwortet. S. 528: „Daß durch das beagriff-
liche Durchdringen und Ordnen eines Stoffes eine Vermehrung der
Erkenntnis herbeigeführt wird, darüber herrscht doch wohl Überein-
stimmung; aber man kann nur eine vorhandene Ernte ausdreschen."
Hasbach gibt S. 533 betreffs mancher Vertreter der historischen Schule
zu: „Manuntersschied nicht zwischen der hyp othetisch-deduktiven Methode,
welche ihre Ergebnisse an der Erfahrung prüft . . . welche also eine
der induktiven Methoden der Erkenntnis ist, und der Methode der
isolierenden Abstraktion, die nur als eine rein formale Methode der
Darstellung bezeichnet werden kann. Es zeigte sich eine prinzipielle
Abneigung gegen die Deduktion . .. Man vergaß, daß die Deduktion
zur Auffindung von Prinzipien nötig ist, wenn eine Vermutung über
die wirkenden Ursachen gebildet werden muß. Der induktive National-
ökonom kann nur das Eine verlangen, daß die aus den angenommenen
Ursachen abgeleiteten Wirkungen an den Tatsachen geprüft werden.