Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 205
zenten sind persönlich frei; aber Art und Zeit ihrer Produktion
bestimmt in der Hauptsache der Konsument ihrer Erzeugnisse. . . .
Auf der Stufe der ausgebildeten Volkswirtschaft beherrscht der
Unternehmer die arbeitsteilige Gütererzeugung.“" S. 248: Beim
Handwerk der Stadtwirtschaft ist „nicht die höchste Produktivität
bei der gegenseitigen Abgrenzung der Produktionsgebiete maßgebend
 gewesen, sondern die Rücksicht auf die ,Nahrung', welche
jeder Meister auf seinem Berufe finden sollte “
Sombart S. 385 f. polemisiert gegen Büchers Definition
des stadtwirtschaftlichen Handwerks als Kundenproduktion. Er
fragt: „Kann das Kundenverhältnis' nicht vielleicht ganz heterogenen
 Wirtschaftsperioden angehören?“ „Reine und echte Kundenproduzenten
 sind Krupp und ähnliche für den Staat oder die
Gemeinde liefernde Geschäfte; jede moderne Waggonmanufattur,
 jede Lokomotivenfabrik liefern reinste Kundenarbeit. . .
Die vielfach beobachtete Ausschaltung der Zwischenglieder,
die Annäherung des Konsumenten an den Produzenten: führen
sie uns zur Organisation der mittelalterlichen Stadtwirtschaft
zurück?“
Der Einwand Sombarts trifft durchaus zu. Er wiederholt
nur, was ich schon gegen Büchers Lohnwerkstheorie geltend
gemacht habe: unter dem Bann seiner Entwicklungstheorie
sieht Bücher Verhältnisse, die in allen möglichen Zeitaltern
vorkommen können und sich immer wieder neu ausbilden, als
Kennzeichen eines bestimmten Zeitalters an. Er trägt nicht genügend
 der Vielgestaltigkeit des historischen Lebens Rechnung.
Aber welchen Ersatz bietet Sombart für Büchers Definition?
Wenn er (s. oben S. 159) uns sagt, daß die mittelalterliche Stadtwirtschaft,
 gemeinsam mit der mittelalterlichen Grundherrschaft
und der. Dorfwirtschaft, einen Übergang zwischen der Individualund
 Gesellschaftswirtschaft darstellt, daß sie, gemeinsam mit
allen Arten der Individualwirtschaft und der Übergangswirtschaft
 und einer Art der Gesellschaftswirtschaft, zu den Bedarfs-1)
 Gegen Sombart vgl. Harms, Volkswirtschaft und Weltwirtschaft;
 auch Liefmann, Beteiligungs- und Finanzierungsgesellschaften
S. 5; Pohle, Jahrbücher f. Nationalökonomie 81, S. 361].
            
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