mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 219
Das Salz z. B. mußte im Mittelalter vielfach einen größeren
Weg zurücklegen als heute!). Von der Seide gilt das Gleiche.
Echt mittelalterliche Verhältnisse sind mitunter die Ursache
gerade des langen Weges?). Und gelegentlich wird der Weg,
den eine Ware macht, mit dem Beginn der Neuzeit nicht länger,
sondern kürzer?).
Es steht uns jetzt genügendes Material zur Verfügung, um
die Frage zu beantworten, ob das System des direkten Austausches
schlechthin das Mittelalter beherrscht hat. Die Schwerter,
die im 12. Jahrhundert von Köln nach Straßburg zum Markt
kommen, die Falken, die von Lübeck nach Venedig und Alexandrien
gebracht werden, die großen Mengen von Waid, die nicht
in der Gegend der Produktion selbst aufgebraucht werden können,
die Fässer mit Paternostern aus Bernstein, die von der
Ostseeküste ins Land gehen), und mit Paternostern aus Mistelholz,
die von Oberdeutschland den Rhein hinunter wandern?),
die Pottasche, die der Hanseat aus dem Norden für die Seifenfabrikation
herbeischafft ~ bei diesen und manchen andern Waren
ist es doch unmöglich, in erster Linie an diretten Austausch, an
Kundenproduktion zu denken.
Nun haben wir freilich schon mehrfach konstatieren müssen,
daß die mittelalterliche Stadtwirtschaftspolitik und die mittelalterlichen
Zustände überhaupt der Ausdehnung des Handels
sehr wesentliche Schranken zogen. Es ließe sich noch an einer
1) H. Zeller-Werdmüller, Zürcher Stadtbücher des 14. und 15.
Jahrhunderts 1, 286 Anm. 1. S. auch oben S. 176 Anm. 4.
?) Knipping, Kölner Stadtrechnungen 1, LVI: Die Stadt Köln
bezog Salz aus Spanien und Portugal, nicht aus dem nahen Westfalen,
weil dem westfälischen aus Rücksicht auf den Stapel der Kölner
Markt verschlossen war.
3) Bruno Hildebrand, Jahrbücher 6, 208: Im Anfang des 16. Jahrhunderts,
als infolge von Unruhen viele der vornehmeren Bürger, die
sich mit der Waidbereitung beschäftigten, aus Erfurt (s. oben S. 214
Anm. 2) auswanderten, verbreitete sich in viele der kleineren thüringischen
und sächsischen Städte die Kenntnis des Erfurter Verfahrens.
4) S. oben S. 217 Anm. 2.
i ;] Vgl. die Unternehmungen des Rulandschen Handelshauses
in Ulm.