Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

1. Das kurze Leben einer viel genannten 
Theorie. 
Über die Lehre vom Ureigentum. 
i. 
„Von einem Gegenstand“ ~ sagt einmal Zeller!) ~ „er- 
halten wir nur dadurch .eine deutliche Vorstellung, daß wir 
ihn mit andern vergleichen und uns vergegenwärtigen, was 
er mit ihnen gemein hat und wodurch er sich von ihnen unter- 
scheidet." Vor allem auch der Historiker und er in besonderer 
Beziehung bedient sich bei seiner Arbeit beständig des Ver- 
gleichs. Wenn er die Angabe einer Quelle zu interpretieren 
sucht, fragt er sich, ob das, was sich ihm bei der wörtlichen Über 
jezung zu ergeben scheint, eine Stütze in Verhältnissen findet, 
die sich anderswo belegen lassen. Wenn er die einzelnen Nach 
richten der Quellen miteinander zu verbinden unternimmt, 
glaubt er eine Bestätigung seiner Rekonstruktion in der Tat- 
sache zu besitzen, daß anderswo dasselbe Bild hervortritt. Wenn 
für ein zu vermutendes Faktum oder für einen ganzen Ab 
schnitt aus der Geschichte eines Ortes oder Volkes die Quellen 
mangelhaft sind oder gar vollständig versagen, bemüht er sich, 
eine Anschauung durch den Blick auf Fakta und Zustände zu 
erhalten, welche anderswo nachweisbar sind. Durch die Be 
obachtung fremder Verhältnisse wird die Anschauung von dem 
an sich möglichen erweitert und ein besserer Maßstab für die 
Beurteilung des Einzelnen gewonnen. In jedem Fall kann 
dem Historiker die Veraleichung als Mittel dienen, die Eigen- 
tümlichkeit einer Sache deutlicher zu erkennen, Wefsentliches 
und Zufälliges zu unterscheiden. 
1) Ed. Zeller, Vorträge und Abhandlungen III, S. 146. 
v. Below , Wirtschaftsgescbichie 2. Aufl
	        
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