Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

[ I. Das kurze Leben einer viel genannten Theorie. 
meiner Verbreitung dar.“ Und ähnlich sagte R. Schröder in 
dem in demselben Jahre erschienenen ersten Halbband seiner 
„Deutschen Rechtsgeschichte": „Unsere Kenntnis der Agrar- 
verhältnissse der deutschen Urzeit beruht teils auf den Berichten 
des Cäsar und Tacitus, teils auf Rückschlüssen aus späteren Zu- 
ständen und auf den Ergebnissen der vergleichenden Rechts- 
wissenschaft“, indem er dann „von den drei Stadien, welche die 
Entwicklung des Grundeigentums bei einem Volke erfahrungs- 
gemäß durchzumachen pflegt“), spricht. In dieser Zeit haben 
wohl die meisten Forscher, die sich mit den hier in Betracht kom- 
menden Fragen beschäftigten, jener Theorie gehuldigt. 
Die lebhafteste Sympathie brachten ihr die Soszialisten 
entgegen. Von vornherein für eine geschichtliche Auffassung, 
welche an eine gesetzmäßige Entwicklung glaubt, günstig gestimmt, 
begrüßten sie aus begreiflichen Gründen die Lehre vom Gemein- 
eigentum als. einer allgemeinen Erscheinung mit besonderer 
Freude?). Sie haben den größten Eifer gezeigt, sie recht popu- 
lär zu machen. Indessen die Theorie beschränkte jich nicht, nie 
angedeutet, auf ihre Kreise. Damals begann Morgan?), der 
für derartige Entwicklungslehren eine unbedingte Zugänglich- 
keit zeigte, in und außerhalb der Sozialdemokratie ein viel ge- 
lesener Schriftsteller zu werden. 
1) Auf dieses vorsichtige „pflegt“ mag immerhin hingewiesen 
werden. Das, was ich hier im Text über die Darstellungen von Brunner 
und Schröder sage, gilt nur für die ersten Auflagen ihrer Werke. In 
den späteren Auslagen (vgl. g 10) hat sich Schröder ganz im Sinn unserer 
Beweisführung geäußert. Über Brunners Stellung s. die 2. Aufl. 
seiner Rechtsgesch. Bd. I, S. 91 Anm. 37; Ztschr. f. Soz.-Wissenschaft 
1907, S. 80. 
2) Lehrreich über diesen Zusammenhang ist W. G. Simkhowitsch, 
Die Feldgemeinschaft in Rußland (1898) S. V ff. Archiv f. soz. Geset- 
gebung 38 (1914), S. 849. 
3) Über die Morgan-Verehrung (Mutterrechtstheorie!), an der sich 
übrigens die Vertreter der deutschen Wissenschaft im engern Sinn nicht 
beteiligten, s. Ztschr. f. Soz.-Wissenschaft 1904, S. 161 f.; 1907, S. 60. 
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