398 VI. Großhändler und Kleinhändler im deutschen Mittelalter.
Natürlich steht das Vorkommen von Großhändlern auch mit
dem Maß des vorhandenen Großhandels im Husammenhang,
wie wir das ja schon mit unserm Hinweis auf den geringern Kapitalvorrat
des Mittelalters angedeutet haben. Indessen entspricht
das Maß der Vertretung des Großhändlertums keineswegs
streng dem Maß des bestehenden Großhandels. Bei dem
gleichen Maß des Großhandels kann in verschiedenen Ländern
und Zeiten der Großhändlerberuf stärker oder schwächer vertreten
sein, ie nach der wirtschafts- und sozialpolitischen Organisation,
die Land und Zeit fordern und durchführen. Das Mittelalter
weist einen gewiß nicht geringen Großhandel au,. Aber
sein Großhändlertum ist nicht so entwickelt, wie es hätte sein
können, wenn nicht die damaligen wirtschasts- und sozialpolitischen
Grundzüge ihm Schranken gezogen hätten!).
1) Hier liegt wohl die stärkste Differenz zwischen der Auffassung
Keutgens und der meinigen. Er macht gegen mich geltend, daß der
mittelalterliche Großhandel bedeutender gewesen sei, als z. B. Bücher
annimmt. Darin stimme ich ihm jedoch durchaus bei. Der vorhandene
Großhandel konnte sich nur nicht in einem so starken Großhändlertum
ausprägen, wie es ihm innerhalb einer andersartigen wirtschaftsund
sozialpolitischen Organisation möglich gewesen wäre. Über Differenzen
zwischen uns im einzelnen vgl. H. Z. 91, S. 455 ff.; Eckert,
Die Krämer in süddeutschen Städten (1910), S. 82 ff.; Uhlirz, H. Z.
110, S. 578 ff; V.j.schr. f. Soz.- u. W.G. 1906, S. 287.