VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus. 413
sie einen gewissen Unternehmergewinn dem Gewerbetreiben-
den gesichert hat. Einen zu großen Unternehmergewinn hin-
derte sie allerdings, sie und die gesamte Organisation der Stadt-
wirtschaft, während heute die freie Konkurrenz, die Ausdehnung
der Verkehrsbeziehungen und die Erleichterung des Fernver-
kehrs Existenzen möglich machen, wie sie dem Mittelalter als
ungeheuerlich erschienen wären!). Andererseits wollen wir auch
in diesem Zusammenhang daran erinnern, daß es heute nicht
an Gewerbetreibenden fehlt, die sich mit dem Gewinn der
„Nahrung“ begnügen, daß z. B. bei der dritten Generation
großer Häuser das Streben nach „möglichst großem Gewinn“
erlischt.
Die Darstellung Brentano's leidet darunter, daß er beständig
einen Kampf gegen den „Feudalismus“ führen zu müssen glaubt.
Nach ihm ist „der entstehende Kapitalismus nicht zum Handwerk
in Gegensatz getreten . . .. sondern zur Naturalwirtschaft und
Feudalität“?). Nach ihm hat auch ,die mittelalterliche Wirt-
schaftsorganisation ihr charakteristisches Gepräge nicht durch
das Handwerk, sondern durch die Landleihe erhalten“, die dann
Abhängigkeitsverhältnisse und Standesversschiedenheiten ge-
bracht habe, die „auch für das Handwerk maßgebend geworden
sind“. Mit diesen Ansichten wird das Bild der mittelalterlichen
Verhältnisse ganz verschoben. Aus jener Tendenz heraus ist
es aber wohl mit zu erklären, daß Brentano den Kapitalismus
so früh ansetzt, daß er den Gegensatz zur Feudalität bilden kann.
Die lange Zeit des mittelalterlichen Zunfthandwerks wird da-
bei freilich vergessen.
Wir vervollständigen unsere Darlegungen, indem wir noch
hervorheben, daß für die kapitalistische Wirtschaftsweise nicht
Eigentum von viel Mitteln, sondern nur ihre Verwertung
wesentlich ist?). Auch das sei hinzugefügt, daß, wenn wir von
dem kapitalisstischen Betrieb gesprochen haben, uns der Unter-
1) Wie Jaffé a. a. O. seinen früheren Geschäftsteilhaber schildert.
?) Brentano a. a. O. S. 82 f. Vgl. dagegen meine Bemerkungen
im Weltwirtsch. Archiv 1917, S. 951 f,
3) Val. Passows Buch S. 112f.