Full text: error

184 
Zweiundzwanzigstes Buch. 
entwickelt hat, die so gut wie jedes Rechtsverhältnis verbot, 
dessen sie zu ihrem Dasein bedurfte. 
Und so ergibt sich denn als Schluß, daß die Entwicklung 
des modernen Wirtschaftslebens der Unternehmung auch in 
Deutschland nicht erst als mit dem 19. Jahrhundert, sondern 
als schon mit dem 18. Jahrhundert, ja der zweiten Hälfte 
des 17. Jahrhunderts beginnend anzusetzen ist: und um 1720 
bis 1740 bereits ist das Emporblühen einer ersten Entwicklungs⸗ 
periode zu setzen. 
Freilich: die vollen Formen des modernen Wirtschafts⸗ 
lebens wies deshalb diese Zeit noch keineswegs auf. Was ihr 
fehlte, das hat gegen ihren Schluß niemand tiefer wenn auch 
symbolisch erfaßt als Goethe, der sich in seiner amtlichen Stellung 
als ein Mann von nicht gewöhnlicher wirtschaftlicher Einsicht 
bewährt hat. Wenn er Faust am Ende seines Lebens sein 
geistiges Dasein der Umwelt, ja dem Erdkreis kolonisierend 
aufprägen läßt, so stellt er ihm dazu die Kenntnis von Zauber— 
kräften zur Verfügung, deren Wirkungen er in seiner frühesten 
Periode in einsamer Zelle erprobt hatte. Was dem 18. Jahr⸗ 
hundert, was der ganzen ersten Periode des modernen Wirt— 
schaftslebens noch fehlte, das waren die Wunder der Technik. 
Im Faust ist das dadurch gleichsam auch wissenschaftsgeschichtlich 
ausgedrückt, daß der Held des Dramas als noch in der pandy— 
namistischen Zauber⸗ und Wundernaturwissenschaft des 16. Jahr⸗ 
hunderts lebend gedacht ist. Das 17. Jahrhundert aber hatte 
gegenüber dem Pandynamismus des 16. Jahrhunderts schon 
den Mechanismus Galileis und Newtons erstehen sehen: und 
in ihm die wissenschaftlichen Urgrundlagen der modernen Technik. 
Und alsbald hatte auch deren Ausgestaltung begonnen, wenn 
auch zunächst fast nur auf englischem Boden. Deutschland 
speziell war im 17. Jahrhundert und auch noch im 18. Jahr⸗ 
hundert, in der ganzen ersten Periode seines Wirtschaftslebens 
der Unternehmung, zu arm, um sich an dieser Ausgestaltung 
schöpferisch beteiligen zu können; erst in den letzten Jahrzehnten 
des 18. Jahrhunderts und auch dann noch ganz vereinzelt, ist 
es zu modernen Motoren und Arbeitsmaschinen übergegangen,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.