Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

. I. Das kurze Leben einer viel genannten Theorie. 
und die ermittelten Tatsachen zu einer zufammenfassenden 
großen Darstellung verbinden will, so wird die Wertschätung 
der vergleichenden Methode natürlich von dem Urteil darüber 
abhängig sein, was man überhaupt in der Geschichte für er- 
wähnenswert, interessant, wichtig, wesentlich ansieht. Wer 
der Meinung ist, daß die Geschichtswissenschast nur auf das 
Typische, Vergleichbare gerichtet sein darf, der wird einfach 
die gleichen, die analogen Fälle summieren und daraus ein + 
wohl sehr abstraktes –~ Fazit ziehen (wobei wir uns übrigens 
nicht enthalten tönnen, ihm den Rat mit auf den Weg zu geben, 
in der Sammlung der einzelnen Fälle recht vorsichtig zu sein 
und nicht unähnliche mit einzuheimsen). Wem dagegen das 
Typische nicht gleichbedeutend mit dem historisch Interessanten 
ist, für wen es noch nicht über die Wichtigkeit einer Sache ent- 
scheidet, ob sie nur einmal oder zwölfmal oder zwanzigmal vor 
kommt, dem wird die Vergleichung mehr Mittel zur Würdigung 
des Einzelnen als die leßte Krönung wissenschaftlicher Arbeit 
sein. 
In dieser Art würde die Stellung der Geschichtswissenschaft 
zur vergleichenden Methode zu umschreiben sein. Man kann 
aber auch die Stellung des Historikers und des Systematikers 
oder, wie wir mit Rickert etwa sagen würden, des Naturforschers 
unterscheiden. Die Art der Betrachtung der Einrichtungen der 
Völker vermag ja mannigfach und sogar ganz entgegengesett 
zu sein. 
Die Aufgabe des Historiters geht dahin, die fortschreitende 
Entwicklung der Völker, die Momente des Fortschritts, die Hin- 
dernisse der Entwicklung, die Führer, die hemmenden Elemente, 
das Gegeneinander von Fortschritt, Stehenbleiben und Rück 
schritt darzustellen, und er wird dabei immer darauf hinzuweisen 
haben, daß ein Volk oder eine Gruppe oder ein Mann voran- 
geht, daß eine Einrichtung irgendwo hervortritt, die anderswo 
noch nicht erscheint. Der Historiker wird auch stets eine breite 
Grundlage zu schildern haben, von der das Einzelne sich abhebt: 
aber das Verhältnis zwischen beiden, nie lediglich die Grund- 
lage ist der Zielpunkt seiner Betrachtung. 
IZ
	        
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