Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

§ ]. Das kurze Leben einer viel genannten Theorie.
Methode befinde ich mich zu J. Kohler. S. z. B. seine Äußerungen
in der Kritischen V.j.schr. f. Geseßgebung und Rechtswissenschaft,
N. F., Bd. 4, S. 1 ff. und S. 24 ff.; D. L. Z. 1903, Nr. 25, Sp. 1548;
1904, Nr. 5, Sp. 299 und 303, Nr. 22, Sp. 1383 ff.; 1905, Nr. 29,
Sp. 182832; 1908, Nr. 50, Sp. 3191 f. Man gewinnt den Eindrutct,
daß Kohlers Schätung der vergleichenden Methode von einem ganz
festen Glauben an eine strenge Gesetzmäßigkeit der hisstorischen Entwicklung
 diktiert ist, wodurch er dann gehindert wird, die unmittelbaren
 Quellenaussagen unbefangen zu würdigen. Bekannt ist auch
die zu große Zugänglichkeit, die Hans Delbrück in seinen heeresgeschichtlichen
 Arbeiten für das Operieren mit Analogien zeigt. Die
Gefahren wie die Förderung, die die Vergleichung bringt, werden
in bezeichnender Weise angedeutet, wenn Ed. Schwartz in einem Artikel
 über die homerische Frage, D. L. Z. 1918, Nr. 18, Sp. 358 sagt:
„Die Analogie der germanischen Heldenpoesie, die Lachmann so verhängnisvoll
 wurde, ist im letten Jahrzehnt durch A. Heuslers „Lied
und Epos“ der Homerforschung wieder in eine sei es befruchtende
sei es gefährliche Nähe gerückt.“ .
" M. Gelzer, Die Nobilität der römischen Republik (1912) S. V:
„Mommsfen spricht im Vorwort zu seinem Abriß des römischen Staatsrechtes
 von „der Plattheit derjenigen historischen Forschung, welche das,
was sich nie und nirgend begeben hat, beiseite lassen zu dürfen meint“.
Trotdem wage ich es, mit einer Arbeit vor die Öffentlichkeit zu treten,
die grundsätzlich nur durch gleichzeitige Heugnisse beglaubigte Verhältnisse
 behandelt; denn für den Gesellschaftshistoriker scheint mir
einzig dieser Weg gangbar. Verfährt er anders, das heißt, sucht er
traditionslose Zeiten durch Analogieschlüsse zu beleben, so verfehlt
seine Forschung ihren Zweck, der doch wohl darin bestehen muß,
festzustellen, was dem sozialen Gefüge eines Staates eigentümlich,
was ihm mit andern gemeinsam sei."“ Es ist dies ein sehr strenges
Wort, dessen Strenge wir vielleicht doch, nach unsern vorangegangenen
Betrachtungen, im Interesse der Verwendung der Analogie etwas
mildern dürfen, das aber jedenfalls viel Wahrheit enthält.

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