erklären konnten. Als ich im Jahr 1881 zum erstem mal
vom Kamm des Riesengebirges ins Hirschberger Tal sah,
waren die ersten Zweifel in mir aufgestiegen. Ich fragte
mich, ob es richtig sei, daß das gewaltige Gebirge und das
meiste, was zu meinen Füßen lag, einem einzelnem der
winzigen menschlichen Wesen als Eigentümer gehören
dürfe, der allen anderen Weg und Aufenthalt verbieten
konnte. Bei dem Vortrage Flürsscheims waren mir die
Schuppen von den Augen gefallen: Die Bodenfrage tat
sich vor ihnen auf.
Merkwürdig ist mir Flürscheims schwankende Haltung
in der wichtigen Frage erschienen, ob die Bewegung, die
sein Vortrag einleiten sollte, politisch parteilos sein, oder
ob sie sich auf die in der Bildung begriffene demokratische
Partei stützen sollte. Es standen ihm beide Wege offen.
Sicher war es aber, daß er sich für den einen oder den
anderen entscheiden mußte. Ich bin damals im Gegen-
satz zu den meisten anwesenden lebhaft für eine politisch
parteilose Vereinigung eingetreten und habe vorgesschla-
gen, nach dem Muster der englischen Anti-Corn-Law-
League eine Land-Liga zu gründen, die sich unter Ausschluß
aller anderen Ziele nur der Bodenfrage widmen sollte.
T deutsche Land-Liga ist am 4. Juli 1886 gegründet
worden. Zweck des Vereins ist die überführung
des privaten Eigentums an Grund und Boden in das
Staatseigentum gewesen.
Über die Gründung dieser Vereinigung hat Dr. Hans
Wehberg ebenfalls Mitteilungen gemacht. Zum Ehren-
präsidenten ist Dr. Theodor Stamm, zum Schriftführer
Max F. Sebaldt, zum Schatzmeister Buchdruckereibesitzer
Funcke, zu Beisitzenden sind Dr. med. Heinrich Wehberg
und Fabrikdirektor Görling gewählt worden. Zum Ge-
schäftführer war der Schriftsteller Martin Hildebrandt
in Berlin ernannt worden.
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