Full text : Nationale Bodenreform

On sein Buch hatte Flürscheim alles zusammen getra-Z
 gen, was ihm im Laufe der Agitation an Gründen
für und wider die Reform bekannt geworden war. Das
Buch, das in der ersten Auflage nur fünf Bogen stark gewesen
 war, war nunmehr auf 35 Bogen angemwachsen.
Er hatte in sechsjähriger Denkarbeit seine volkswirtschaftlichen
 Kenntnisse in bewunderungwürdiger Weise
erweitert. Er verfügte über eine scharfe Dialektik. Seine
Schwäche liegt, wie bei seinem Freunde Henry George,
in der Unzulänglichkeit der vorgeschlagenen Mittel. über
die von dem großem Amerikaner vorgeschlagene Single
tax habe ich mich schon ausgesprochen. Das eigensinnige
Festhalten an diesem Vorschlage ist der amerikanischen
Bewegung sehr nachteilig geworden. Die Vorschläge, die
Flürscheim in seinem neuem Werke machte, waren leider
nicht besser.
In seinem erstem Buche hatte Flürscheim den Vorschlag
 gemacht, den Boden anzukaufen, und dafür Pfandbriefe
 auszugeben. Später hatte er ein staatliches Hypothekenmonopol
 empfohlen. In beiden Fällen sollte der
Unterschied zwischen dem billigerem Zinsfuß des Staates
 und dem höherem für Private die Tilgung der Pfandbriefe
 und die Deckung des Staatsbedarfes ermöglichen.
Nachdem Flürscheim inzwischen zugegeben hatte, daß die
Annahme, auf der sein Vorschlag fußte, ein JFrrtum sei,
konnte er diesen Vorsschlag nicht mehr aufrecht erhalten.
Es hatte ihm ebenso wenig die Gefahr entgehen können,
die darin liegen würde, daß der Staat seine Pfandbriefe,
die verzinst werden sollten, für Bodenwerte wie Bauterrains
 und Unland hingeben sollte, die gar nichts einbringen
 würden.

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