inige Wochen später habe ich den Versuch gemacht, den
(ux v. G o ß l er für die Angelegenheit zu
interesieren und habe am 15. November 1890 mit ihm
darüber verhandelt. Ich habe ihn besonders darauf auf-
merksam gemacht, daß die Entwicklung, die das Apotheker
Konzesssionwesen genommen habe, schließlich in den Ar-
beiterkreisen Unzufriedenheit erwecken müsse. Unterneh-
mer und Arbeiter würden gesetzlich zu den Kranken-
kassenbeiträgen herangezogen. Sie müßten die hohen Me-
dizinalpreise zahlen und müßten dann sehen, wie die
Apotheken mit Gewinnen, die sich auf hunderttausende
beliefen, von einer Hand in die andere gingen. Wir
müßten diese Sumen in unseren Beiträgen zu den Kran-
kenkassen mit verzinsen.
Der Minister sagte, daß er selbst diese Zustände als
unleidlich empfinde und auf Abhilfe hinwirke. Er habe
bereits den Verkauf der Konzessionen an einen zehnjäh-
rigen Besitz geknüpft, um wenigstens zu verhindern, daß
den Inhabern einer neuen Konzession schon eine Stunde
nachher das Zimmer eingelaufen werde, um ihnen die
Konzession für 60 000 Mark abzukaufen. Ich erlaubte
mir zu fragen, ob dem Minister bekannt sei, daß die groß-
herzoglich hessische Regierung schon vor fünf Jahren
einen anderen Weg eingeschlagen habe. Sie habe auf die
Gemeinden und Kreise eingewirkt, die Konzession für
sich nachzusuchen und sie an Apotheker zu verpachten. Es
schiene mir, daß dieses Mittel sehr zweckmäßig sei und
auch bei uns anwendbar wäre. Es könnten dann auch
Minderbemittelte eine Apotheke übernehmen, und die
Gemeinden hätten daraus Einnahmen, die jetzt den Kon-
zessioninhabern zufielen. Die hessissche Regierung habe
sogar, wie mir bekannt sei, am 15. Mai 1885 eine dahin
zielende Verordnung erlassen.
Herr v. Goßler sagte mir, daß ihm das, was ich ihm
mitgeteilt hätte, bis jetzt nicht bekannt gewesen sei und
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