mußten, war mir unmöglich. Andere Vorstandmitglie-
der, die geneigt und fähig gewesen wären, in dieser Weise
vorzugehen, um Anhänger zu werben, waren nicht vor-
handen. Sie sind erst später gewonnen worden, als mein
Nachfolger sich ganz den öffentlichen Angelegenheiten
widmen konnte. Der Wunsch, daß es anders werden
möge, kam aber immer wieder und hat schließlich zu einem
offenem Gegensatz geführt.
Der Privatdozent Dr. Leo Ar ons, mit dem ich auf
der Hauptversammlung in Köln bekannt geworden war,
und der inzwischen seinen Wohnsitz nach Berlin verlegt
hatte, hatte aus seiner Zugehörigkeit zur Sozialdemo-
kratie niemals ein Hehl gemacht. Er war aber daneben ein
eifriger Bodenreformer gewesen. Er hatte schon anfangs
1892 in einer Mitgliederversammlung Bedenken gegen
die von mir gewählte Taktik ausgesprochen.
Als Adolf Gaul am 13. Juni 1892 in „Frei Land“
einige Mitteilungen über den Berliner Spar- und Bau-
verein machte, einer Baugenossensschaft, die kurz vorher
auf bodenreformerischer Grundlage errichtet worden
war und einen Anschluß an diesen Verein befürwortete,
veröffentlichte Dr. Leo Arons im Bundesorgan einen
Mahnruf. Er gab zu, daß es taktisch klug sei, dem drän-
gen derer entgegenzukommen, die mitkämpfen wollten,
denen aber das Bewußtsein nicht genüge, für eine große
Sache zu streiten. Er verlangte aber zweierlei: erstens
müsse das Augenblickziel ein solches sein, das wirklich
einen Schritt auf dem Hauptwege bedeute. Zweitens
müssse es sofort von der Tagesordnung verschwinden,
sobald es in der Pressse oder anderweitig genügend
vertreten werde. Der Bund wolle keine kleinen Er-
folgchen feiern, er wolle eine große reformatorische
Tat anbahnen. Bon dieser wichtigen Aufgabe dürften
wir uns nicht durch Beschäftigung mit kleinen Neben-
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