Full text: Nationale Bodenreform

gen. Das Zentrum, die Freisinnigen, die Freikonserva- 
tiven und die Antisemiten stimmten teils für, teils gegen 
die Vorlage, die neben einer verstärkten Rüstung die 
längst angestrebte zweijährige Dienstzeit bringen sollte. 
In der Mitgliederversammlung vom 11. Mai wurde 
über die Stellungnahme der Bodenreformer zu den Wah- 
len verhandelt, und es wurde beschlossen, selbständig vor- 
zugehen. Im erstem Berliner Wahlkreise sollte die Kan- 
didatur des Obersstleutnants v. Egidy unterstützt werden. 
In allen übrigen Wahlkreisen und auswärts sollte den 
Mitgliedern empfohlen werden, Stimmzettel auf meinen 
Namen abzugeben. 
Leider war Damaschke, den wir in der letzten Haupt- 
versammlung zum drittem Vorsitzenden gewählt hatten, 
anderer Ansicht. Er wünschte, daß wir möglichst in allen 
sechs Berliner Wahlkreisen Kandidaten aufstellen sollten, 
und er erbot sich, selbst in einem Wahlkreise als Kandidat 
aufzutreten. 
An eine Ausführung dieser Vorsschläge war bei der 
geringen Anzahl unserer Mitglieder und der Unzuläng- 
lichkeit unserer Geldmittel nicht zu denken. Ic< konnte 
mich auch deshalb nicht damit einverstanden erklären, 
weil ich dem Bunde allenfalls meinen Namen für eine 
offenkundige Zählkandidatur zur Verfügung stellen 
wollte. Eine ernste Bewerbung um ein Mandat hat mir 
aber ganz fern gelegen. Außerdem hatte der Stadtver- 
ordnete Fritz B o rst e ll, auf dessen Beteiligung wir 
aroßen Wert legen mußten, mich davon verständigt, daß 
er sich, wenn Damaschkes Vorschläge angenommen werden 
sollten, nicht an der Sache beteiligen werde. Als diese 
Vorschläge in der Mitgliederversammlung abgelehnt 
wurden, hat Damaschke sich seinerseits zurückgezogen, und 
wir haben den Wahlfeldzug ohne seinen Beistand durch- 
führen müssen. Auch unter unserem Wahlaufruf hat 
seine Unterschrift gefehlt. 
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