Zeit verpachtet, so erhalte das Reich steigende Einnah-
men. Jeder Kolonisst werde die Pacht gern zahlen, die
nie außer Verhältnis zum Ertrage stehen werde und in
Notjahren ermäßigt oder erlassen werden könne. Erhalte
er den Boden aus zehnter oder zwanzigster Hand, so
müsse er das vielfache aufbringen. Der von uns ange-
gebene Weg sichere also dem Kolonialamte gute Finan-
zen, erschließe die Schätze des Bodens am besten der Pri-
vattätigkeit und beuge Mißständen schwerster Art vor.
Eine Antwort haben wir vom Reichskanzler nicht er-
halten. Erst zwei Jahre später ist es gelungen, durch
einige Aufsätze in unserem Bundesorgan, die Aufmerk-
samtkeit der entscheidenden Personen auf die Frage, die
uns schon lange am Herzen gelegen hatte, hinzulenken.
Bodcenwucher und Börre.
U: diese Zeit hat Theodor Fritsch in Leipzig, der
Herausgeber der Zeitschrift Hammer, sein Buch:
„Zwei Grundübel, Bodenwucher und Börse“ veröffent-
licht, das in deutsch-sozialen Kreisen große Beachtung ge-
funden hat. Er hat darin die Rechnung aufgestellt, daß
das deutsche Volk im Verwaltungjahr 1892/98 für die
Ausgaben des Reiches, der Einzelstaaten und der Ge-
meinden 6 Milliarden Mark aufzubringen hatte. Zu
dieser großen Last kamen noch der Mietzins, der Hypo-
thekenzins und anderes, die auch nichts weiter als eine
Steuer seien: ein Tribut an das Leihkapital. Die auf dem
deutschem Grundbesitz eingetragene Schuldenlast sei auf
75 Milliarden veranschlagt, was eine jährliche Zinsab-
gabe von 8 Milliarden Mark ergebe (S. 7~9). Er unter-
suchte die Folgen der Verschuldung und des unsinnig
verteuerten Bodens für das arbeitende Volk.
Am sc<werstem zeige sich der Schaden des Privatbo-
denbesites und der Bodenspekulation in den Großstädten,
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