Full text: Nationale Bodenreform

Kriegsminissteriums mit der Stadtgemeinde Berlin vor einiger Zeit 
eingeleitet sein sollen. Ein solches Abkommen würde zweifellos den 
staatlichen wie den städtischen Interessen sehr entsprechen. 
Hierzu tritt noch die Rücksicht auf die ganze Lage der großstädti- 
schen Wohnungfrage. Daß hierin etwas geschehen muß, insbesondere 
für eine bessere Unterbringung der Arbeiter gesorgt werden muß, 
unterliegt keinem Zweifel. Eure Exzellenz sind selbst in dieser Be- 
ziehung durch Gründung der Arbeiterkolonie Haselhorst bei Span- 
dau mit einem für andere Verwaltungen höchst nachahmenswerten 
Beispiel vorangegangen. In der Großstadt selbst ist aber die Woh- 
nungfrage gleichbedeutend mit der Beschaffung von Bauplätzen. Die 
künftigen Erfolge der nach dieser Richtung hin tätigen schon be- 
stehenden und neu zu bildenden gemeinnütigen Baugenosssenschaften 
hängen allein davon ab, ob Staat und Gemeinde hier helfend ein- 
greifen werden und diesen Genossenschaften durch pachtweise über- 
lassung geeigneter Bauplätze ihre Wirksamkeit erleichtern können. 
Dies kann aber nur geschehen, wenn der jett vorhandene fiskalische 
Besitz nicht mehr durch Verkäufe an Spekulanten geschmälert, son- 
dern im Gegenteil tunlichst vermehrt wird. Es liegt hier ein Grund 
von höchster sogialpolitischer Bedeutung vor. 
Der unterzeichnete Verein, der sich besonders mit der Wohnung- 
und Bodenfrage beschäftigt und die endgültige Lösung nur in der 
Kommunalisierung des Bodens erblickt, hat deshalb mit großem Be- 
dauern ersehen, daß die Militärverwaltung dennoch jetzt mit der 
Veräußerung umfangreicher Grundstücke an Private vorgehen will. 
Nach amtlicher Bekanntmachung des hiesigen Königlichen Proviant- 
amtes in Nr. 247 des Berliner Tageblattes ift für den 17. Juni d. 
Jahres Termin zum. Verkaufe des wertvollen Grundstücks an der 
Ecke Alexander- und Magazinstraße angesetzt worden. 
Die unterzeichneten Bürger, welche gegenüber der durch solche 
Verkäufe begünstigten Spekulation das Interesse des Gemeinwohls 
vertreten, gestatten sich daher unter Hervorhebung der angeführten 
wichtigen Gründe bei Eurer Exzellenz dahin vorstellig zu werden, 
daß-der fragliche Termin aufgehoben und Verhandlungen über eine 
überlassung des Grundstücks mit der Stadtgemeinde Berlin einge- 
leitet werden. Ebenso daß in Zukunft alle zu veräußernden Grund- 
stücke zunächst dem Magistrat angeboten werden. Eine solche Maß- 
regel würde für die Stadt von großem Vorteil sein. Auch den In- 
teressen des Staates, der Gesamtheit entspricht sie am besten, wäh- 
rend bei überlasung der im Staatsbesite befindlichen Grundsîtücke 
an Private nur einzelne sich bereichern. 
A4A53
	        
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