Guinea ist der Grund und Boden noch heute meist unverschuldetes
freies Nationaleigentum. Nur in Oltafrika ist bedauerlicherweise
schon unser Eigentum- und Hypothekenrecht eingeführt worden
mit dem Erfolge, daß schon jett ein Enteignunggeseß notwendig
geworden ist.
Daneben kommen auch wichtige Steuer- und Finanzfragen in
Betracht. Gegenüber den großen Opfern, die das Reich heute für
die Kolonien zu bringen hat, Opfer, die in Zukunft noch steigen
können, bietet der Besiß des Grund und Bodens der Schutzgebiete
in Gegenwart und Zukunft das einzige und wertvollste Äquivalent.
Jede Aufwendung von Reichswegen erhöht den Wert des Grund und
Bodens und muß ihn erhöhen.
Wird der Grund und Boden vom Reiche nicht verkauft, sondern
gegen eine mäßige Bodenrente auf Zeit verpachtet, so erhält das
Reich Einnahmen, die mit der Zeit den Aufwendungen von Reichwegen
entsprechend, erheblich steigen werden. Die steigenden Einnahmen
ergeben sich dann mit Sicherheit von selbst. Jeder Kolonist
wird diese Pacht gern zahlen, die nie außer Verhältnis zu dem
Ertrage stehen wird und in Notjahren ermäßigt oder erlassen werden
kann. Erhält er dagegen den Boden erst aus zehnter oder zwanzigster
Hand, wie jett der Farmer in den Vereinigten Staaten Nord-Amerikas
und anderswo, so müßte er sicher das Vielfache des vom
Reichsfiskus beanspruchten zahlen. Jedes andere aufbringen von
Reichssteuern durch Zölle und direkte Steuern, wird viel schwerer
empfunden werden und größerem Widerstand begegnen müssen.
Welchen Schatz die Reichsregierung in ihrem Bodenbesit in den
Kolonien hat, möge nachstehende Berechnung beweisen:
Deutschland umfaßt etwa 10 000 Quadratmeilen, d. h. etwa
200 Millionen Magdeburger Morgen (die Quadratmeile zu 20 000
Morgen gerechnet). Wenn der private Pächter in Landwirtschaft,
Bergbau und Industrie nur 5 Mark jährlich zahlen würde, so ergäbe
sich eine Grundrente von 1000 Millionen Mark zugunsten der Gesamtheit
als Reichseinnahme für jedes Jahr. Da nun tatsächlich
unsere Kolonien und Schutzgebiete an Flächeninhalt Deutschland
mehr als dreimal übertreffen, und noch dazu meist mit ungleich
größerem Naturreichtum ausgestattet sind, so lassen sich die künftigen
Einnahmen hiernach berechnen. Schon die Einnahmen aus
der Verpachtung eines kleinen Teiles werden die Kosten jeder Kolonie
decken, der überschuß könnte zur Verbesserung der Kolonie verwendet
werden.
Der von uns angegebene Weg sichert also dem Kolonialamte gute
Finanzen, erschließt die Schätze des Bodens am leichtesten und
AK