Metadata : Antike Wirtschaftsgeschichte

26  Zweites  Kapitel.  Zeitalter  des  Schatzhandels  in  Griechenland.
Zeit  mit  Hilfe  von  Sagen  und  ausgeklügelten  Etymologien  rekonstruiert. ­
  Die  Westküste  wies  eine  Ansiedlung  neben  der  andern
auf,  ebenso  die  Inseln,  die  Südküste  nur  wenige,  obzwar  auch  dort
die  Griechen  spater  als  Händler  Eingang  gefunden  haben,  ins
Innere  konnten  sie  der  eingeborenen  Völker  wegen  nur  schwer
vordringen.  Von  diesen  Niederlassungen  waren  nur  gelegentlich
einige  zu  Bünden  zusammengeschlossen.  Die  große  Völkerbewegung
im  Umkreis  des  östlichen  Mittelmeers  hatte  jedoch  durch  die  Besiedlung ­
  Kleinasiens  nicht  ihr  Ende  erreicht,  vielfach  suchten  größere
Gruppen  nach  Süden  vorzurücken,  so  erfahren  wir  aus  ägyptischen
Inschriften,  daß  am  Ende  des  zweiteil  Jahrtausends  von  Nordosten ­
  und  Nordwesten  große  Schwärme  fremder  Völker  heranrückten,
die  von  den  Küsten  und  Inseln  Kleinasiens,  Griechenlands  und
Italiens  gekommen  zu  sein  scheinen  (S.  13).  Solche  Scharen
landeten  einmal  in  der  Nähe  der  späteren  Kolonie  Kyrene  und
marschierten  mit  libyschen  Stämmen  verbündet  gegen  Ägypten,
einige  Zeit  später  kam  eine  zweite  Gruppe  mit  Weib  und  Kind,
ein  Teil  längs  der  Küste  auf  Ochsenkarren,  der  andere  zu  Schiff
von  Syrien  her.  Beide  Male  wurde  der  Ansturm  zurückgeschlagen,
wobei  auf  Seite  der  Ägypter  Angehörige  jener  fremden  Stämme
als  Söldner  fochten,  ähnlich  wie  in  der  Römerzeit  Germanen  gegen
Germanen  (S.  140).  Diese  Leute  waren  offenbar  damit  zufrieden,
als  Kriegsproletarier  ihr  Brot  zu  verdienen,  während  ihre  Herren
auf  diese  Weise  nicht  nur  einen  Teil  der  Gegner  los  wurden,  sondern
auch  den  Rest  mit  ihrer  Hilfe  bekänlpfen  konnten.
Über  die  wirtschaftlichen  und  sozialen  Verhältnisse  der  griechischen ­
  Welt  in  der  zweiten  Hälfte  des  zweiten  Jahrtausends  und
zu  Beginn  des  ersten  Jahrtausends  sind  wir  durch  Ausgrabungen,
Rückschlüsse  aus  späteren  Institutionen  und  Überlieferungen  aller
Art,  sowie  durch  die  homerischen  Epen  nur  ungenügend  orientiert.
Die  letzteren  können  nur  mit  Vorsicht  verwendet  werden,  weil  sic
zum  Teil  die  Entstehuugszeit  der  Lieder,  d.  h.  die  ersten  vier
Jahrhunderte  des  ersten  Jahrtausends  schildern,  zum  Teil  aber
die  Zustände  früherer  Zeiten.  Große  Umwälzungen  am  Ausgang
des  zweiten  Jahrtausends  lassen  uns  nur  schwer  einen  Begriff  von
den  damaligen  Zuständen  gewinnen.  Im  zweiten  Jahrtausend  bestand ­
  in  Griechenland  eine  in  vielfacher  Hinsicht  höhere  Kultur,
als  wir  sie  zu  Beginn  des  ersten  kennen.  Gewaltige  Bauten  legen
von  einem  hoch  enttvickelten  Handwerk  Zeugnis  ab.  Die  großen
Menschenmassen,  die  jene  Niesenmauern  errichteten,  dürften  unter
            
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