Der Urtrieb der Menschen geht nicht dahin, ein⸗
ander zu schädigen, sondern einander zu hel—
fen; der Schädigungswille erscheint fast durch—
weg nur durch besondere äußere Umstände veran—
laßt und ist, wo das nicht der Fall ist, eine
Krankheitserscheinung. Die Liebe der Volks⸗
genossen zu einander ist der Grundzug vom
Selbsterhaltungstrieb des Volkes.
Wo sie fehlt, da ist das Volk krank; und deshalb
ist jeder Schädigungsversuch eines Volksgenossen
gegenüber einem anderen eine Krankheitserschei⸗—
nung am Volkskörper. Wie tief das im Gefühls⸗
leben des Volkes steckt, das zeigt sich darin, daß
überall da, wo der Übervorteilungsgedanke, also
die Schädigungsseuche, um sich greift, wenigstens
in den Formen der Höflichkeit, die den
geselligen Verkehr regeln, ein Abbild der Hand⸗
lungsweise, die dem AUrtrieb entspricht, festgehal—
ten wird.
Faulheit oder Freude an Tätigkeit?
Die Nationalökonomie ist aber noch auf einem
zweiten psychologischen Unsinn aufgebaut, dem
nämlich, daß der stärkste Urtrieb jedes Menschen
die Faulheit sei und daß es besonderer Rei—
zungen bedürfe, um ihn zur Tätigkeit zu veran—
lassen. Leider Gottes kommt da manche sich für
pädagogisch haltende Strömung der National
zkonomie zu Hilfe. Wenn man den Kindern jede
selbständige Außerung des Erkenntnistriebes ver—
ekelt und das Kind aus richtigem Urtrieb sich ge—
gen aufgezwungenes Scheinwissen ablehnend ver⸗
hält, dann wird es für faul erklärt!
Aber die Nationalökonomie macht es doch noch
schlimmer; sie erklärt den Arbeiter grade dann
für faul, wenn er am strengsten ihr, der National—
ökonomie, eigenes „ökonomisches Prinzip“ be⸗