Full text : Das Ich und der Staat

II. Das Jch in staatlicher Erziehung ;
Ich gegen die Gemeinschaft, gegen den Staat hat. Und hier wird
sich eine gewisse Scheidung, mit fortschreitender Entwicklung, vermutlich
 von selbst aufdrängen.
So demokratisch kann ja keine Demokratie ausgebaut werden, daß
das Kindergebären reih'um ginge! Das weibliche Ich wird daher,
ohne daß es mit der Nase auf gynäkologische Einzelheiten gestoßen
zu werden braucht, dem Pflichtziel entgegenzuführen sein, daß es
sich dem Staat als eine künftige Mutter von tauglicher Beschaffenheit
 zu erhalten habe. Und dem männlichen Ich kann es nicht früh
genug und nicht tief genug in die Seele geschrieben werden, daß ein
Schuft ist, wer ansteckendes Krankheitsgift leichtfertig auf ungeborene
 Geschlechter vererbt. Gegen Fehlgeburten und Geschlechtskrankheiten,
 die beiden Hauptübel, die die Lebenskraft des Volkes
zerfressen, wird alle spätere Aufklärung nichts fruchten, wenn nicht
auf der Schulbank schon im Wesen des werdenden Ichs das Gebot
tief verankert worden: Achte deinen Körper, um deiner selbst willen
und um derer willen, die aus dir und nach dir kommen
sollen!
Daß solch eine körperliche Ausbildung, mit dem Ziel der Körperpflege
 aus Selbstachtung, nicht als einseitiger Drill zu erreichen ist,
liegt auf der Hand. Sie wird ihr Ziel annäherungsweise – und um
mehr als eine Annäherung kann es sich bei so hoch gesteckten Zielen
nicht handeln — nur erreichen können, wenn die körperliche Ausbildung
 begriffen wird als die eine Seite der harmonischen Ausbildung
 des Ichs, die den lebendigen Zusammenhang mit der andern
Seite nie preisgibt.
Die andere Seite, die geistige Ausbildung des Ichs zum denkbar
tauglichsten Staatsbürger, sieht, da Rechte und Pflichten gleich
sind oder doch gleich sein sollen, getrennte Wege für das
männliche und das weibliche Geschlecht erst recht nicht mehr vor
sich. Da die Frau staatsbürgerlich nicht mehr aufs Haus beschränkt
ist, so kann auch der Hausfrauenberuf, obwohl er für die meisten
Frauen praktisch überwiegen wird, die staatliche Erziehung des weiblichen
 Ichs doch nicht unterschiedlich vom männlichen bestimmen.
Wie den praktischen Notwendigkeiten Genüge zu tun ist, bleibt ein
Kapitel für sich.

10
g
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.