Full text: Wissenschaftliches Arbeiten

1G2 Die populär-wissenschaftliche Darstellung 
zu sprechen und zu schreiben, und sodann die Unmög- 
lichkeit auf seiten der meisten Leser, durch Nachprüfung 
ein etwaiges Mikversändnis zu berichtigen oder sich ein 
selbständiges Urteil über die Frage zu bilden. Im Interesse 
der Wahrheit und Gerechtigkeit ist deshalb auch bei dieser 
Art wissenschaftlicher Arbeit vor allem eine gründliche 
Kenntnis des Gegenstandes und aller auf denselben bezüg- 
lichen Fragen erforderlich, um in der Wahl der richtigen 
Ausdrücke nicht fehl zu gehen und nicht sich zugleich 
mit vielen andern der Gefahr des Irrtums auszusetzen. 
Leider wird diese Veraussetzung nur zu häufig in unverantwort- 
licher Weise außer acht gelassen. Während gerade für die weiten 
Volkskreise nur das Beste gut genug sein sollte, möchte es fast scheinen, 
daß für die volkstümliche Behandlung wissenschaftlicher Fragen vielen 
Artikel- und Broschürenschreibern alles gut genug dünkt. Mit einer 
ganz oberflächlichen Kenntnis seines Gegenstandes oder selbst mit ganz 
bodenloser Unkenntnis desselben sitzt man zu Gericht über wichtige 
und weittragende Fragen und wagt es, sein Urteil in die Massen zu 
werfen, die gar nicht in der Lage sind, den objektiven Wert desselben 
zu prüfen, „gestützt auf Gründe, deren Scheinbarkeit man hervorhebt 
und deren Schwäche man verschleiert, wie dies bei Vorträgen für das 
Volk geschieht“, wie Artur Schopenhauer mit bitterer Ironie bemerkt 
(Preisschrift über die Grundlage der Moral 1 $ 1). 
Fast noch mehr ist es zu bedauern, daß sich auch angesehene 
Vertreter der Wissenschaft zuweilen eines ähnlichen Fehlers schuldig 
machen, wenn sie sich auf Gebiete begeben, die nicht zum Felde ihrer 
eigenen Forschung gehören. Gewohnt, mit vollster Sicherheit und 
Autorität in ihrem eigenen Fache aufzutreten, übertragen sie dieselbe 
Sicherheit und Autorität auch auf diese anderen Gebiete und richten 
dann noch viel größere Verwirrung an, als wenn ein einfacher Igno- 
rant sich an die populäre Behandlung wissenschaftlicher Fragen 
heranwagt. 
Wenn dann erst biedere Ehrenmänner „in Pension“ sich berufen 
fühlen, eine Wissenschaft für weite Kreise zu popularisieren, die sie 
selbst niemals sich zu eigen gemacht haben, so ist gewiß die gute 
Absicht anzuerkennen; es bleibt aber ein verdienstliches Werk, wenn 
man sie von der Ausführung dieser Absicht zurückhält (Franz. Be- 
arb. p. 56). 
3. Mit Bezug auf die Darstellung muß man von 
dieser Art wissenschaftlicher Arbeit in populärem Gewande 
verlangen, daß sie auch die wissenschaftliche Ge- 
Br
	        
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