Gesichtspunkte für die Wahl des Themas 117
edien Metalles sein, die für die harte Knappenarbeit eines
neuen Stollens: reiche Ausbeute verspricht. Wo aber eine
Mine schon längst von hundert Händen und Hacken nach
allen Richtungen durchsucht und all ihrer kostbaren Schätze
beraubt wurde, da wäre es für gewöhnlich aussichtslos,
in dem alten verlassenen Stollen weitergraben zu wollen.
Diese Forderung einer genauen und bestimmten Frage-
stellung gilt für alle Gebiete der wissenschaftlichen Arbeit.
Sie zeigt uns auch das Berechtigte in dem so beliebten
Suchen nach Problemen, das oft genug in eine krankhafte
Problemensucht ausartet. Es hat sein Gutes und kann für
die genauere Bestimmung des Arbeitsgebietes förderlich
sein, wenn es eine noch weniger behandelte Seite eines
Gegenstandes oder einer Frage aufsuchen lehrt, wo die
eigene Arbeit erfolgreich einsetzen kann. Insofern ist es
auch richtig, daß gerade diese Probleme, die stets neuen
Fragen und ihre Beantwortungen hauptsächlich den Fort-
schritt jeder Wissenschaft bedingen. Schließlich sind ja
auch die Hypothesen, durch die z. B. auf dem Gebiete der
Naturwissenschaften so mancher Fortschritt veranlaßt wurde,
wie Charles Seignobos bemerkt, nichts anderes als eine
Art von neuen Fragen mit einer provisorischen Antwort‘).
Damit aber ein wahrer Forschritt erzielt werde, muß die
Frage methodisch richtig gestellt werden unter systema-
tischer Berücksichtigung. der schon geleisteten und der
noch zu leistenden Arbeit auf irgendeinem Gebiete. Sonst
wird die eigene Arbeit, der gerade die Fragestellung ihre
Richtung und ihren Umfang zuweist, nicht am rechten
Punkte einsetzen und das Ziel verfehlen oder doch nur
nach mancherlei Umwegen erreichen.
Die Bemerkung Bernheims (Lehrbuch® 254 f) über einzelne be-
liebte und doch schon völlig erschöpfte Themata aus der Geschichte
gilt mutatis mutandis vielfach auch von anderen Gebieten. Der Grund
liegt einerseits in der Unmöglichkeit, mit den vorhandenen Hilfsmitteln
über das schon von anderen erreichte Ziel in einer Frage hinauszu-
kommen. Deshalb macht sich z. B. im Bereich der philologischen
Ur ') Langlois-Seignobos, Introduction aux 6tudes historiques (Paris
1905) 184.
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