Full text : Wissenschaftliches Arbeiten

Gesichtspunkte für die Wahl des Themas 9
Scnrıft: Platon gegen Sokrates, Leipzig bei Teubner 1904) aufgestellte
Behauptung gerechtfertigt, Platon habe im Hippias II, Laches und
Charmides gegen Sokrates polemisiert ?“ usw. (aa0. 36 f).
In ähnlicher Weise lassen sich auf jedem Gebiete bei Berücksichtigung
 der neuen Veröffentlichungen leicht gute Themata finden,
die unmittelbar in das wissenschaftliche Leben der Gegenwart hineingreifen.

6. Bleibt die Wahl zwischen verschiedenen Stoffen,
unter Berücksichtigung der erwähnten Punkte, noch unentschieden,
 dann kann eine letzte Rücksicht für die Entscheidung
 noch in Betracht kommen. Unter sonst gleichen Verhältnissen
 verdient jener Gegenstand den Vorzug, der
mehr den Bedürfnissen der Gegenwart entspricht
 und größeren Nutzen zu bringen geeignet
erscheint.
Rein methodologisch betrachtet, hat eine Untersuchung
über die Partikel y£ bei Demostenes oder die Erörterung
der entlegensten Spitzfindigkeiten abstrakter Schulfragen
ebenso ihre Berechtigung wie die Behandlung solcher
"Themata, die dem Geistesleben der Mitwelt näher stehen
und in den weitesten Kreisen einen lebhaften Widerhall
finden. Von einem höheren Gesichtspunkt aus wird man
aber im Apostolat der Wissenschaft den Dienst der Wahrheit
 nach Möglichkeit auch zu einem Dienst der Liebe für
andere gestalten und deshalb auch die Rücksicht auf die
Bedeutung und den Nutzen einer Frage für das Leben der
Gegenwart nicht ausser acht lassen.
Keineswegs soll damit die wissenschaftliche Forscherarbeit
 auf das Niveau der populär-wissenschaftlichen Darstellung
 herabgedrückt werden. Sie soll und muß durchaus
auf ihrer hohen Warte bleiben. Sie darf von ihren Regeln
und Gesetzen nicht lassen, ohne ihren Adel zu verlieren.
Auch wird bei der Behandlung von solchen Fragen, die
auf die Bedürfnisse der Gegenwart Rücksicht nehmen, besonders
 auf die Gefahr zu achten sein, daß die ruhige Forschung
 durch die Parteistellung des Forschers beeinträchtigt
 werde, weil ihm die wünschenswerte gegebene oder
erworbene Distanz von seinem Gegenstande in einer der-11:


            
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