Full text: Wissenschaftliches Arbeiten

Li Bedeutung der Themawahl und ihre Praxis 
die Auffindung geeigneter Themata durch einen einfachen Kunstgriff 
sehr erleichtern und vereinfachen: beim Studium überhaupt und insbe- 
sondere bei der Lektüre wissenschaftlicher Novitäten stoßen unser einem 
so viele passende und reizvolle Themata zur Bearbeitung auf, daß man 
sie nur sogleich — am besten jedes auf ein eigenes Blatt — zu notieren 
und nach Fächern zu rubrizieren braucht, um dann im gegebenen 
Moment eine große Auswahl von Themata bereit zu haben; man kann 
dann aus dem vollen schöpfen, indem man einfach in seine Kollek- 
taneen hineingreift“ (Die Philosophie in. der Staatsprüfung [Berlin 
1906] 45), 
4. Ist man auf diesem Wege der Wahl des eigenen 
Arbeitsstoffes näher und näher getreten, so wird man zur 
genaueren Bestimmung desselben die Kenntnis der 
Quellen und der einschlägigen Literatur möglichst 
zu vervollständigen suchen. Dieselbe ermöglicht in der 
Regel mit genügender Sicherheit ein Urteil darüber, nach 
welcher Richtung und in welchem Umfang das Sammeln 
des‘ Materials für die eigene Arbeit einzusetzen hat. 
Im Verlauf der Arbeit muß sich dann allmählich die 
genauere Fassung und schärfere Umgrenzung des Themas 
ergeben. Je weiter die Arbeit am Stollen gefördert ist, 
desto sicherer und. klarer wird das Urteil über die Richtung 
und Stärke der Goldader im harten Gestein. 
5. Nach getroffener Themawahl wird der weiteren 
Arbeit an der eigenen wissenschaftlichen Aufgabe mit 
Nutzen eine vorläufige Skizze der künftigen Gesamt- 
darstellung vorausgehen. In der Regel wird sich ja die 
Arbeit zunächst nur mit einem Teil der ganzen Aufgabe 
beschäftigen können. Eine solche Skizze der Gesamtdar- 
stellung kann aber recht viel zur Klärung, Festigung und 
Hebung des Standpunktes für den Arbeitenden beitragen. 
H. Schmidkunz macht nach dem Vorgang von Stuart Mill mit 
Recht auf diesen Wink aufmerksam (Zts. f. Philosophie u. Pädagogik!® 
[1908] 510). 
Derselbe Autor fügt dann (ebd. 510 f) noch eine Warnung bei 
vor dem eigentlichen „Wählen“ oder gar „Stellen“ eines Themas: 
„Ein Arbeitsthema wird am besten gar nicht gewählt, wächst vielmehr 
aus der wissenschaftlichen Entwicklung eines jüngeren oder älteren 
wissenschaftlichen Arbeiters gleichsam von selbst heraus: oder erst 
dann mag der Schüler als reif für eine eigene Arbeit gelten, wenn sich 
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