Bemerkungen für die Praxis 5
Bedürfnis und Spezialfähigkeit zu einem bestimmten Thema herausge -
stellt haben. Wohl jeder Dozent kennt die Bitten der Studenten um
ein ihnen zu empfehlendes Thema. Die richtige Antwort auf eine
solche Bitte oder Frage dürfte doch immer die sein: ‚Das müssen
Sie mir sagen, nicht ich Ihnen, was für ein Thema Ihnen am besteu
paßt oder liegt!‘ “.
Freilich ist diese „richtige“ Antwort doch gar sehr cum grano
salis zu verstehen: denn der Rat eines erfahrenen Mannes, von dem
wir unter n. 1 gesprochen haben, bleibt stets eine sehr wünschenswerte
und fördernde Beihilfe. Nur soll er eben die persönliche Mitwirkung
und Entscheidung fördern, nicht aber ersetzen.
6. Der Weg des eigenen Suchens nach einem Thema
bleibt aber stets ein recht mühsamer und beschwerlicher
und nur zu leicht wird mancher bei dem langen Suchen
kopfscheu werden und sich überdrüssig abwenden. Wenn
man der Versicherung des Herausgebers der „Zeitschrift
für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde des
Urchristentums“ glauben darf, steht es ja überhaupt in
weiten Kreisen mit der Wahl des "Themas recht bedenk-
lich. „Es ist in der Tat ein Jammer“, sagt Erwin Preuschen
in seinem Organ, „zu sehen, wie jahraus jahrein zahlreiche
Programme, Dissertationen und Aufsätze sich mit voll-
kommen unfruchtbaren Untersuchungen abquälen, weil die
Wahl des Themas verfehlt oder das Problem verkehrt
angefaßt ist“*).
Um den Weg etwas zu ebnen und einer Fehlwahl
vorzubeugen, ist daher schon mehrfach der Versuch ge-
macht worden, durch eine Zusammenstellung von
„Desiderata“ eines Faches eine reiche Auswahl von
möglichen Themata zu bieten. Heinrich Weinel machte in
der genannten Zeitschrift einen‘ dahin zielenden Vor-
schlag?), der den Herausgeber in seiner zustimmenden Be-
merkung zu dem angeführten Urteil veranlaßte. Doch
scheint es über den ersten Anfang, den Weinel selbst mit
sieben Nummern machte, nicht weit hinausgekommen zu
sein, wenngleich in dieser wie in anderen Fachzeitschriften
') E. Preuschen in: Zts. f. neutest. Wiss. 1 (1900) 351.
?) H. Weinel ebd. 347—51.
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