iz Bedeutung der Themawahl und ihre Praxis
mancherlei Anregung zu zeitgemäßen Arbeiten gegeben
wird. Es wäre gewiß mit Freuden zu begrüßen, wenn
„Gelehrte, denen mehr Probleme aufstoßen, als sie be-
wältigen können, die Aufgaben bekannt geben, deren
Lösung ihnen wünschenswert erscheint“*!), oder wenn solche
Aufgaben aus größeren Werken in den wissenschaftlichen
Zeitschriften ans Licht gezogen würden.
Dom Germain Morin ist in dieser Beziehung mit gutem Beispiele
vorangegangen, indem er eine Liste von Aufgaben über die lateinische
Literatur des Mittelalters veröffentlichte, die ihm bei seinen langjährigen
Arbeiten aufgefallen waren („De la. besogne pour les jeunes. Sujets
de travaux sur la litterature latine du moyen äge“ in: Revue d’ histoire
ecclesiastique 6 [1905] 327—45).
Ein anderer gelehrter Benediktiner, der große Jean Mabillon, hat
vor mehr als zweihundert Jahren seinem „Traite des etudes monasti-
ques“ ebenfalls ein ziemlich umfangreiches Verzeichnis wissenschaft-
licher Aufgaben beigefügt unter dem Titel „Liste des principales diffß-
cultes qui se rencontrent dans la lecture des conciles, des Peres et de
I’ histoire ecclesiastique“ (in der lateinischen Übersetzung des „Tractatus“
von Gius. Porta [1? Venedig 1729] p. 270—94). Den einzelnen Punkten
fügte er die Angaben über die wichtigste Literatur hinzu. Einen Auszug
daraus bot Dom J.-M. Besse in seiner zusammenfassenden Bearbeitung
der Schrift Mabillons (Les etudes ecclesiastiques d’apres la methode de
Mabillon [*Paris 1902] 125—43).
Eine übersichtliche Zusammenstellung der wichtigeren Themata,
die in den verschiedenen. Hochschulseminaren als Seminararbeiten be-
handelt wurden und werden, ergäbe ebenfalls ein lehrreiches und an-
regendes Verzeichnis von Aufgaben für die wissenschaftliche Arbeit.
Auch eine Übersicht über die alljährlich von allen Fakultäten ge-
stellten und zu stellenden Preisaufgaben würde manch guten Fingerzeig
geben können. Aus den verschiedenen Gebieten der Theologie hat
Msgr. Turinaz ein ähnliches Verzeichnis von Gegenständen der Dispu-
tationen und Dissertationen des Seminars von Nancy zusammengestellt
(La vraie methode des 6tudes ecclesiastiques [Nancy 1903] 111—7).
Für Prüfungsarbeiten aus dem Gebiete der Philosophie bietet die
früher zitierte Schrift von H. Vaihinger, Die Philosophie in der Staats-
prüfung (Berlin 1906) eine Sammlung von 340 Themata. — Vgl. auch
L. Hahn in: Blätter f. d. Gymnasialwesen 1909 und Spyr. P. Lambros,
Byzantinische Desiderata, in: Bvyz. Zts. 1 (1892) 185—201.
Trotz des unleugbaren Nutzens, den solche Listen von
Themata gewähren können, bleibt es sicher richtig, was
>) E. Preuschen aaQ0.
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