Voraussetzungen ’
Tugenden der Heiden sind Laster“ als Worte Augustins und das be-
rühmte „Credo quia absurdum“ als Ausspruch Tertullians zitieren,
obwohl der eine wie der andere entschieden Einspruch dagegen er-
heben. — Eine reichhaltige Sammlung von falschen Zitationen und
Anwendungen biblischer Texte in der Predigtliteratur veröffentlichte
J. V. Bainvel unter dem Titel: Les contresens bibliques des predica-
teurs (*Paris 1906), die auch in deutscher Übersetzung (von E. Schäfer)
erschien u. d. T.: Winke für die richtige Verwertung von Schrifttexten
in der Predigt (Rottenburg a. N. 1912).
Am allerwenigsten zu entschuldigen ist dieser Mangel des not-
wendigen Quellenstudiums bei solchen Werken, die ihrer Bestimmung
als Nachschlagebücher entsprechend bequeme Vermittler des Wissens
für viele werden sollen. Ist es nicht geradezu unverzeihlich, wenn z. B.
in der Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, die
man als unentbehrliches und in vieler Beziehung vorzügliches Nach-
schlagewerk immer wieder zur Hand nehmen muß, viele Bearbeiter
von Artikeln über katholische Einrichtungen und Anstalten es gänzlich
verabsäumen, die eigentlichen Quellen zu Rate zu ziehen, und sich
statt dessen mit den einseitigen und unwissenschaftlichen Darstellungen
aus zweiter oder dritter Hand begnügen? Wo es sich um einfache
geschichtliche Tatsachen handelt, würde man doch beim Zurückgehen
auf die Quellen zu einer richtigeren Erkenntnis und objektiveren Wür-
digung des gegnerischen Standpunktes gelangen können (vgl. die Nach-
weise in: Zeitschrift für kath. Theologie 25 [1901] 708—11; 28 [1904]
391—93). Aus dem gleichen Grunde ist es sehr zu bedauern, daß man
in den bibliographischen Notizen mancher fachwissenschaftlichen Zeit-
schriften sich auch in allzu häufigen Fällen mit der bequemen Art der
Angaben aus zweiter Hand begnügt, statt unmittelbar aus den Quellen
zu schöpfen.
2. Gerade beim Quellenstudium drängt sich jedem als
zweite Voraussetzung die weitere Forderung auf, seine
ganze Kraft in eigener, persönlicher und be-
harrlicher Arbeit einzusetzen.
Vielleicht mag es dem einen oder anderen fast über-
flüssig erscheinen, über diese Forderung ein Wort zu ver-
lieren. Die tägliche Erfahrung lehrt aber zur Genüge, daß
es nicht ganz unnütz ist, auf diesen Punkt hinzuweisen.
Schon der Grund, weshalb das erwähnte erste Haupt-
und Grundgesetz vıelfach zu wenig beobachtet wird, kann
uns davon überzeugen. Denn schließlich ist die wahre Ur-
sache in den meisten Fällen die Scheu vor der notwen-
digen eigenen Arbeit. Der Weg zur Quelle ist eben nur
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten. 3. Aufl.
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