Voraussetzungen 7
stellen sich die ersten Schwierigkeiten ein. Man muß den
Kampf gegen dieselben mit der ganzen Willenskraft auf-
nehmen, um das vorgesteckte Ziel zu erreichen. Statt ab-
zuschrecken, sollen diese Schwierigkeiten erst recht unseren
Mut herausfordern und uns in ausdauernder Geduld nicht
eher ruhen lassen, als bis sie überwunden sind. „Labor
fidissimus comes est“, meint Alexandre Fichet mit Recht,
„et sponsor fidelissimus, semper habet eventus felices“?).
3. Mit dieser Forderung persönlicher und beharrlicher
Arbeit hängt die dritte Voraussetzung aufs engste zusammen:
Geize mit deiner Zeit.
Wenn man die Nachrichten über das Leben und -die
Arbeitsweise jener großen Gelehrten der Vorzeit durchgeht,
die mit ihren Werken den Fortschritt der Wissenschaften
in unseren Tagen ermöglichten, so wird man wohl ohne
Ausnahme bei allen die beiden Punkte wiederfinden: un-
ermüdlich in der Arbeit und äußerst sparsam, ja geizig in
der Ausnützung ihrer Zeit.
Eine kleine Blütenlese aus dem „Nomenclator litterarius“ von
Hugo Hurter kann dies an einigen Beispielen zeigen?). Die Angaben
sind den drei letzten Bänden der dritten Auflage dieses Werkes entnom-
men (Oeniponte 1907—13), welche die Zeit von 1564—1910 umfassen,
Fast bei allen großen Männern der Wissenschaft finden wir das
Lob, das bei Leonhard Lessius (Leys. 1554—1623) mit den kurzen
Worten’ ausgesprochen wird: „Pareissimus erat temporis, laboris per-
tinax“ (3, 624). Bei Francisco Suarez (1548—1617) wird besonders
hervorgehoben, daß er in gewissenhaftester Ausnutzung seiner Zeit
jedes unnütze Gespräch vermied und solche Plaudereien „pretiosissimi
temporis depraedatores“ zu nennen pflegte (3, 379); auch die kleinsten
sogenannten verlorenen Augenblicke und die Zeit auf notwendigen Reisen
wußte er für seine Studien nutzbar zu machen. Tommaso Vincenzo
Moniglia (1686—1767) gestattete deshalb keinem Besucher den Ein-
tritt in sein Zimmer und wollte lieber den Vorwurf der Unhöflichkeit
mit in den Kauf nehmen, als seine kostbare Studienzeit verlieren (5, 66).
Allen gemeinsam ist das Bestreben, die für Erholung der körper-
lichen Kräfte nötige Zeit möglichst zu beschränken, um mehr Stunden
für das Studium zu gewinnen. Der große Cesure Baronio (1538 —1607)
') 4l. Fichet, Arcana studiorum methodus c. 7 p. 16:
°) Auf die meisten dieser Beispiele: machte mich Professor Her-
mann van. Laak in Rom zuerst aufmerksam.
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