Full text: Wissenschaftliches Arbeiten

5 Studium und Lektüre 
pflegte nur 4 bis 5 Stunden zu schlafen und konnte vor seinem Tode 
versichern, daß er in den letzten dreißig Jahren niemals sich ausge- 
schlafen habe (3, 528). Piere Halloix (+ 1656) brauchte gleichfalls nur 
4 bis 5 Stunden für den Schlaf (3, 1099), während Dionysius San- 
marthanus (Denis de Sainte Marthe. 1650—17925) sich mit 4 Stunden 
begnügte und kaum eine halbe Stunde für seine übrige Erholung be- 
nützte (4, 1208). Ähnlich machte es Frangois Comb#fis (1 605—79) während 
der letzten 40 Jahre seines Lebens (4, 162), Agostino Franc. Orsi (1692 
bis 1761) war selbst mit 3 his 4 Stunden Schlaf zufrieden (4, 1505), und 
gar nur 2 Stunden genügten den Gelehrten Francois Clement’ (im Sommer) 
(1714—983), Edmond Richer (1560— 1631) und Herkulan Oberrauch (1728 
bis 1808) (5, 395; 3, 869; 5, 813); Giovanni :Batt. Tolomei (Ptolomaeus. 
1653—1726) suchte auf andere Weise die Zeit für längere Studien zu 
ersparen, indem er von seinem 15. Jahre an zuweilen ganze Nächte 
durchstudierte (4, 1034). 
Auf- solche Weise wußten jene Männer der Wissenschaft sich 
Tag für Tag ausreichende Zeit für ihre Studien zu verschaffen. Selbst 
mitten unter den Arbeiten und Sorgen des bischöflichen Amtes fand 
Charles du Plessis d’ Argentr& (1673—1740), wenigstens wenn er zu 
Hause war, täglich 7 freie Stunden für seine wissenschaftlichen Be- 
schäftigungen (4, 1004). Bernard de Montfaucon (1655—-1741) widmete 
noch als hochbetagter Greis täglich 8 Stunden dem Studium (4, 1446). 
Jakob Gretser (1562—1625) wußte 10 Stunden täglich neben mancherlei 
anderen Arbeiten für seine gelehrten Werke zu erübrigen (3, 730); 
10 bis 12 Stunden Tomas Sanchez (+ 1610) (3, 594), 14 Stunden: Johann 
Caramuel von Lobkowicz (1606—82) (4, 607). Ebensoviel Zeit verwandte 
auch Henri Noris (1631—1704) auf die Studien von seinem 20. bis 44. Jahre, 
während er gewöhnlich nur 5 und häufig nur :3 Stunden schlief; er 
pflegie zu sagen, wer nicht wenigstens 8 Stunden täglich sich mit 
wissenschaftlicher Arbeit beschäftige, werde ‚im Kreise der Gelehrten 
nicht viel gelten (4, 861). Christian Lupus (Wolf. 1612-81) harrte selbst 
15 Stunden täglich bei seinen Büchern aus (4, 522) und der Toulouser 
Parlamentsadvokat Jean Baptiste Furgole (1690—1761 oder 1771) sogar 
18 Stunden (4, 1614 n. 1). Auch Josef de Maistre pflegte während langer 
Jahre 12 bis 15 Stunden täglich zu studieren (Stimmen aus Maria-Laach, 
67 [1904, 2] 309). 
Übrigens lassen sich auch aus unseren Tagen ähnliche xalxevtepoı 
anführen. Der verehrte Verfasser des „Nomenclätor litterarius“, Hugo 
Hurter (1832—1914), wird allen, die ihn. kennen gelernt, als herrliches 
Beispiel. rastlosen und unermüdlichen Gelehrtenfleißes unvergeßlich 
sein, ebensowie den Besuchern der Handschriftenabteilung der alten 
Berliner Bibliothek das Bild des neunzigjährigen, stets schaffensfreudigen 
Theodor Mommsen tief im Gedächtnis haften bleiben wird. -_ Von dem 
Münsteraner Exegeten Laurenz Reinke (1797—1879) bemerkte Franz 
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