Full text: Wissenschaftliches Arbeiten

Studium und Lektüre 
sein Augenmerk auf die Sammlung von Tatsachenmaterial 
für seinen Gegenstand richten und dabei von dem Nächst- 
liegenden ausgehen und so Schritt für Schritt weiter vor- 
zudringen suchen. 
Je nach der besonderen Art des Themas und dem 
Charakter der Arbeit kann die Reihenfolge schon beim 
Studium der Quellen noch etwas genauer bestimmt werden. 
Handelt es sich bei einem Fragepunkt um die Darlegung 
der geschichtlichen Entwicklung, so bietet in der Regel 
die chronologische Folge auch bei den Quellen manche 
Vorteile; doch läßt sich eine Erscheinung auch auf dem 
umgekehrten Wege von einem Höhepunkt der Entwicklung 
aus bis auf ihre ersten Anfänge verfolgen. So kann man 
z. B. in der französischen Verfassungsgeschichte von Lud- 
wig XIV. zurückgehen auf Hugo Capet, und in der Unter- 
suchung der Gnadenlehre vom Konzil von Trient bis zu 
Augustin, oder auch den umgekehrten Weg einschlagen. 
In jedem Falle wird man aber bei einem solchen wie 
bei ähnlichen Gegenständen das Ziel des Studiums eher 
und leichter erreichen, wenn man die nach Zeit oder Ort, 
nach Personen oder Sachen zusammengehörigen Quellen- 
werke auch bei der Untersuchung möglichst in der durch 
den Zusammenhang gegebenen Reihenfolge zu erforschen 
trachtet. 
Würde hingegen die Behandlung irgendeines Textes 
Zweck und Ziel der Arbeit sein, so käme beim Studium 
der Quellen zuvörderst die Feststellung des richtigen Wort- 
lautes nach dem Original oder den besten kritischen Text- 
zeugen in Betracht; denn die ganze fernere Arbeit müßte 
auf dieser Grundlage weiter bauen. Für die Erklärung 
wären dann der Reihe nach der Wortsinn, die Bedeutung 
der einzelnen Sätze und Abschnitte und der Inhalt des 
ganzen Textes und seiner Teile zu untersuchen. Die Fragen 
über die Entstehung und die Quellen des Textes, den Autor 
und seine Zeit und die Verhältnisse, die für das tiefere 
Verständnis des Inhaltes in Betracht kommen, müßten diese 
Untersuchung begleiten und ergänzen, während die Erör- 
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