Full text : Wissenschaftliches Arbeiten

Kollektaneen
Wenn H. Schrörs zu unserer ersten Regel bemerkt, daß nicht
nur das Hervorragendste und Zweckdienlichste, sondern „alles und jedes,
auch das Unscheinbarste, zu sammeln und zu verarbeiten sei“, „das
ist eine der ersten Forderungen jeder Wissenschaft“ (Deutsche Litzig. 29
[1908] 3083), so wird er mit uns diese Forderung auf die eigentlichen
Quellen beschränken müssen, und nicht als Regel für die Kollektaneen
überhaupt aufstellen wollen, um die „mera miracula“ des Aulus Gellius
zu vermeiden. Um jedem Mißverständnis vorzubeugen, ist die Unterscheidung
 von Quellen und Hilfsmitteln jetzt ausdrücklich hervorgehoben
 worden.
9, Weiterhin ist bei den Aufzeichnungen darauf zu
achten, wie weit die Arbeit des Sammelns durch zu verlässige
 bibliographische und andere Hilfsmittel
erspart oder erleichtert wird. So mochte man es in früheren
 Zeiten der Mühe wert erachten, und der eine oder andere
der älteren Autoren macht insbesondere auf diesen Gegenstand
 für die Kollektaneen aufmerksam, dem Ursprung und
ersten Auftauchen beliebter Sprichwörter und Redensarten
nachzuforschen. Auch für uns behält dieser Gegenstand
sein volles Interesse. Es wäre aber jetzt eine unnütze Vergeudung
 von Zeit und Mühe, das was Georg Büchmann in
seinen „Geflügelten Worten“ uns bietet, erst noch durch
eigenes Suchen zusammentragen zu wollen.
Hier und überall heißt es also, die einschlägigen
bibliographischen und literarischen Hilfsmittel kennen und
brauchen lernen, um seine ganze Zeit und Kraft jenen
Gegenständen zuzuwenden, bei denen die eigene Arbeit einzusetzen
 hat. Gegebenenfalls wird man dann durch eine
Blütenlese von Berichtigungen und Nachträgen seinen Dank
dem Verfasser abstatten können, der einem den eigenen
Weg hat bahnen helfen.
3. Man wird sodann bei diesen Hilfsmitteln wie bei
den Quellen sich fragen müssen, ob eine Sch rift späterhin
 einem leicht zur Verfügung steht oder
nicht. Bei solchen Büchern, die man stets leicht zur Hand
haben kann, wäre es wiederum verlorene Zeit und Mühe,
sich lange Auszüge zu machen und damit die Schatzkammer
 seiner Kollektaneen zu füllen. Kurze Hinweise
werden in der Regel vollauf genügen.

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