Full text : Wissenschaftliches Arbeiten

Einleitendes 207
122—35; ders. Zur Technik kritischer Apparate, in: Berl. Philol. Woch.
1905, 76 f; Otto Stählin, Editionstechnik, Ratschläge für die Anlage
textkritischer Ausgaben, in: Neue Jahrbücher f. d. klass. Altertum ete,
23 (1909, 1) 393—433 (auch separat); X. Bernheim, Lehrbuch® 447— 64
mit weiterer Literatur; Langlois-Seignobos, Introduction 55 note. Mit
Rücksicht auf die Ausführungen Krumbachers und Stählins wurden die
einschlägigen Abschnitte unserer Darstellung vielfach erweitert.
60. Einleitendes. Nach den früheren allgemeinen
Bemerkungen über den Begriff und die Aufgabe, den Zweck
und die Bedeutung, die Voraussetzungen und Eigenschaften
der rezensierenden Kritik (s. o. Kap. 8 p. 80—97) haben
wir uns hier nur noch mit der besonderen Aufgabe der
historischen Kritik zu befassen, die in der Beurteilung der
Quellen und ihrer Texte besteht.
1. Man pflegt diese Art der Kritik als die philologischhistorische
 zu bezeichnen. Man teilt sie wohl in Quellenund
 Textkritik ein oder unterscheidet in derselben mit
Boeckh die gleichen vier besonderen Gruppen wie bei der
Hermeneutik: Grammatische, historische, individuelle und
geherische (oder technische) Kritik. Es dürfte sich aber
für unsere Zwecke mehr empfehlen, nach dem Vorgang
von Bernheim u. a. nicht so sehr diese verschiedenen
Funktionen der Kritik, als vielmehr die einzelnen besonderen
 Aufgaben kurz zu erörtern, die sie bei der Beurteilung
der Quellen zu erfüllen hat und bei denen die genannten
Funktionen der Reihe nach in Tätigkeit treten. Als solche
einzelne Aufgaben bei der Beurteilung der Quellen können
wir bezeichnen die Untersuchung über die Entstehung
und Echtheit, die Erhaltung und Un verfälschtheit;
 die Glaubwürdigkeit und Wahrheit eines
Textes.
2. Für die Lösung dieser Aufgaben ist es vor allem
wichtig, daß man mit gründlicher Sachkenntnis und mit
der nötigen Vorbereitung an die Untersuchung herantrete
und sich einzig und allein durch die Beweiskraft der tatsächlichen
 Gründe, nicht aber durch persönliche Rücksichten
oder sachliche Voreingenommenheit, durch Abneigung oder

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