Die Disposition des Stoffes
5. Allseitigkeit. Bei der Wahl seines Themas
wird man sich in der Bearbeitung einer Frage auf bestimmte
Grenzen beschränken können, über die man sich im Titel
oder im Vorwort der Arbeit aussprechen soll. Für die
Darstellung des gewählten Stoffes muß aber die Disposition
möglichst alle Seiten des Gegenstandes innerhalb des be-
stimmten Umfanges berücksichtigen. Einseitige Hervorhe-
bung einzelner Teile wird leicht falsche Anschauungen und
irrige Urteile veranlassen.
6. Schönheit. Last and least soll auch das ästhe-
tische Moment bei der Disposition Beachtung finden, aber
nur soweit die erkenntnistheoretischen Rücksichten es ge-
statten. Die klare Erkenntnis ir Wahrheit muß ausschlag-
gebend bleiben. Die Schönheit mag als willkommener
Schmuck hinzukommen. Sie darf sich aber nur als Be-
gleiterin anschließen und kann keinen Anspruch auf den
ersten Platz erheben.
Eine Forderung des ästhetischen Momentes betrifft vor-
züglich eine gewisse Gleichmäßigkeit im Aufbau, ohne daß
dieselbe in eine eintönige Gleichförmigkeit oder pedantische
Gleichheit ausarten soll. Mit derselben kann sich vielmehr
möglichste Mannigfaltigkeit verbinden, um allen Wünschen zu
entsprechen, soweit der Hauptzweck der Arbeit es gestattet.
Beispiele guter Dispositionen wird man leicht in den verschiede-
nen Schriften guter Autoren auf allen Gebieten finden. Es möge hier
genügen, das von Oskar Kataun mitgeteilte Schema einer Arbeit über
ein poetisches Werk beizufügen.
1. Einleitung: Die literarischen und politischen Verhältnisse der
Zeit des Dichters; | .
2. Der Dichter und seine Entwicklung bis zu dem in Frage kom-
menden Werke;
3, Vorgeschichte (Briefe), Entstehungszeit des Werkes;
4. Inhalt, Quellen (historische Grundlage, dichteriche Erfindung),
Form (Gattung, Stil, Vers);
5. Verhältnis des Werkes zur Entwicklung des Dichters und zu
seiner Zeit;
6. Nachgeschichte des Werkes: Aufnahme, Nachwirkung auf den
Dichter und sein weiteres Schaffen, Nachwirkung auf die Zeit (Nach-
ahmung, Schule usw.).
DÄ4R