Ben Allgemeine Erfordernisse der Darstellung
73. Inhalt. Hinsichtlich des Inhaltes sind vorzüglich
folgende Punkte zu beachten: 1. Die Wahrheit. Es ist
wiederum eine ganz selbstverständliche Forderung. Die
Würde der wissenschaftlichen Arbeit macht es aber einem
jeden zur ernsten Pflicht, sich immer wieder zu prüfen, ob
er dieser Forderung stets voll und ganz entspricht und
nicht vielleicht, ohne es zu wollen, sich von subjektiven
Anschauungen zu einer Nichtachtung der objektiven Rechte
der Wahrheit verleiten läßt.
2. Anschaulichkeit. Die Anschaulichkeit wird zum
Teil durch die rechte Wahl geeigneter Wörter und Aus-
drücke erreicht werden und insofern zur sprachlichen Seite
gehören. Sie kommt aber auch beim Inhalt zur Geltung.
So wird man zB. bei der Darstellung statt der allgemeinen
und abstrakten Wahrheiten möglichst die besonderen und
konkreten bevorzugen, in welchen jene ihren Ausdruck
finden; man wird sich nicht mit allgemein gehaltenen Ur-
teilen begnügen, sondern die Einzelfälle auswählen, aus
denen sie sich ergeben; ebenso kann man sonstige allge-
meine Erscheinungen und umfassende Begriffe in ihre ein-
zelnen Teile zerlegen und aus den konkreten Einzelbildern
die Sache viel anschaulicher darlegen, als es bei einer all-
gemein gehaltenen Schilderung möglich wäre.
3. Zusammenfassung. Bei der Darstellung läßt
sich nicht die ganze Masse des gesammelten Stoffes mit
all seinen Einzelfällen und Wiederholungen in behaglicher
Breite vorlegen. Es muß notwendig dem Zweck des Themas
entsprechend das Gleichartige, das schon bei der Sichtung
des Stoffes in gemeinsamen Gruppen vereinigt wurde, kurz
zusammengefaßt werden, um das Wichtige klarer zum Aus-
druck bringen zu können. So muß durchwegs bei allen
einzelnen Teilen ‚der Arbeit aus der Fülle des gesammelten
Stoffes ein Auszug gemacht und für die zu behandelnde
Frage verwendet werden, ähnlich wie bei einem Klavier-
auszug aus einem Orchesterwerk „trotz aller Fortlassung
zahlreicher Tonmassen der fortlaufende Zusammenhang und
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