2 Die Schreibweise
orthographischen Wörterbüchern können mit Nutzen verwendet
werden‘).
Abschreckende Beispiele von wenig übersichtlichen Darstellungen
gibt es leider nur zu viele. Zwei gelehrte Schriften dieser Art charakterisiert
Heinrich Holtzmann in der „Theolog. Literaturzeitung“ 32
(1907) 377 f als Kundgebungen, die auch „formell die gleiche monströse
Erscheinung eines, mit einziger Ausnahme des größeren Absatzes II
S. 115, ohne jede Gliederung, ohne Angabe von Abschnitten der Darstellung
oder Stationen der Beweisführung, ja ohne Andeutung irgendwelcher
Disposition fortlaufenden Monologes darbieten. Nicht einmal
eine Inhaltsangabe am Anfang oder ein Register am Schluß erleichtern
dem Leser den Gang durch ein Dickicht und Gestrüpp, darin keinerlei
Bahnspur, durch Gehölz und Waldung, darin keinerlei Lichtung anzutreffen
ist. Daher das Gefühl physischer Ermüdung, welches jede längere
Beschäftigung mit dem einen wie mit dem anderen dieser Bücher zurückläßt.
Während man sich durch die ganz erstaunliche Masse von Wissensstoff,
der hier angehäuft ist, durcharbeitet, gesellt sich zu der Hauptfrage
nach Wert und Fruchtbarkeit desselben immer die Nebenfrage: wie mag
es zugehen, wo ein solches Buch geschrieben, ein solches Produkt geboren
wird? Ich kann mir keine andere Vorstellung davon machen
als die, daß der Verfasser, der fraglos ein Polyhistor ersten Ranges
ist und eine beneidenswerte Belesenheit besitzt, wohl Jahre lang Lesefrüchte
über Lesefrüchte, die ihm in einer gewissen Beziehung zu seinen
Grundgedanken zu stehen schienen, gesammelt und dieselben schließlich
nach einer vielfach vom Moment bedingten Ideenassoziation aneinander
gereiht hat. Daher auch der aufmerksame Leser nie ahnen kann, wovon
auf der nächsten Seite die Rede sein werde“.
Mit Bezug auf die Texteinteilung würde auch das vielfach so vorzügliche
„Lehrbuch der historischen Methode“ von Ernst Bernheim viel
gewonnen haben, wenn statt der langatmigen Paragraphen und Abteilungen
die einzelnen Abschnitte bezeichnet oder wenigstens die Texteinteilungen
auch durch Seitenüberschriften kenntlich gemacht wären.
In der vorliegenden Form ist der Benutzer des Buches bei den sehr
häufigen Verweisen auf frühere oder spätere Abschnitte immer wieder
genötigt, sich über den Fundort des „$ 4, 1 c“ erst aus dem Inhaltsverzeichnis
Aufschluß zu verschaffen, oder „unten Abschnitt 4 am Anfang“
durch vieles Umblättern herauszufinden, oder den „fünfnächsten Absatz“
sich selber erst abzuzählen. Wie viel Zeit geht dabei unnütz verloren!
') Vgl. zB. Joh. Weyde, Wörterbuch für die neue deutsche Rechtschreibung
(*Wien 1902) 18—22; Duden, Rechtschreibung der deutschen
Sprache (°Leipzig und Wien 1915) XXXVII—XLILI. — Vgl. auch
das oben p. 230 d) über Interpunktion Gesagte.
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