Full text : Wissenschaftliches Arbeiten

264 Die Zitate
tender Unterschied zwischen kleinlicher Stellenklauberei und sachgemäßer
 Anführung von Belegstellen“ (ebd. 14 [1897] 180 Anm. 2).
Wenn man mit Recht das Zuviel tadelt, soll man doch vor dem
Zuwenig sich hüten und nicht in das andere Exirem fallen, bloß um
„die Leser nicht durch ein Gewimmel von Zitaten und Auffassungen
anderer Autoren zu erschrecken“. (Joh. Belser, Das Evangelium des
heiligen Johannes [Freiburg 1905] S. IX): Zur Empfehlung dieser extremen
 Meinung, die auf Quellenbelege ganz oder fast ganz verzichtet,
ist es nicht hinreichend, daß sie schon von älteren Autoren vertreten
wurde wie zB. von den Historikern Georg Cruger (} 1671) und Christian
Hirschmentzel (+ 1703). Vgl. die Notiz von Nik. Nilles in: Zeitschrift
für kath. Theol. 22 (1898) 765f,
78, Art und Weise. Für die Zitationsweise sind
vorzüglich folgende Punkte zu beachten: 1. Als erste Regel
befolge man streng das „Thomäische Gesetz“, das wir
schon wiederholt kennen lernten: „Nisi videro . .., non
credam“, Man mache es sich zur unverbrüchlichen Gewohnheit,
 niemals ein Zitat unbesehen aus einer
anderen Schrift oder nach der Angabe eines
anderen in die eigene Arbeit zu übertragen. Ist
es aus irgendeinem Grunde nicht möglich, das Zitat nachzuprüfen,
 so verzichte man lieber auf die Anführung desselben,
 oder überlasse die Verantwortung für seine Richtigkeit
 durch Angabe des Fundortes dem Gewährsmann, auf
den das Zitat zurückgeht. „Näoe xai uEWAO’ AmOTtEIV“
lautete schon die Mahnung des alten Epicharm (+ c. 450
v. Chr.).
Trotz hundertfacher und hundertmal gerügter Erfahrung richtet
das bequeme Abschreiben der Zitate doch immer wieder neues Unheil
an, Am meisten ist es zu bedauern, daß auch die Mitarbeiter an
großen Nachschlagewerken sich nicht die nötige Mühe geben, um durch
die eigene Arbeit anderen Zeit und Mühe zu ersparen. In dem schon
erwähnten Artikel „Edelsteine“ in der „Realenzyklopädie für protestantische
 Theologie und Kirche“ (5% [1898] 156) zitiert zB. I. Benzinger
unter anderem: „Hartmann, Die Hebräerin am Putztisch I 9287 ff;
II 27 ff“. Genau dasselbe Zitat findet sich in: Georg Benedikt Winer,
Biblisches Realwörterbuch 1 (®Leipzig 1847) 281. Da beide Zahlenangaben
 falsch sind, ist das spätere Zitat einfach eine Kopie des früheren,
 das auch zB. in den Exodus-Kommentar von August Dillmann
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.