Z Zugaben zum gedruckten Text
brauch einer Ausgabe ohne diese Bezeichnung ist, wird
jedem klar, wenn er zB. des öfteren die prächtige kritische
Ausgabe des syrischen „Tetraevangelium sanctum“ von
Phil. Edw. Pusey und Gg. Henry Gwilliam (Oxford 1901)
zur Hand nehmen muß. Da hat er zwar oben auf jeder
Seite am Rande genau die 15 oder mehr Kodizes ver-
zeichnet, aus denen der Text entnommen ist, aber außer
dem allgemeinen „Mattai“ etc. findet er nicht die mindeste
Angabe über Kapitel und Vers, nach denen er die Seiten
zu durchsuchen hat. Ebenso unpraktisch ist es zB. bei
einer kritischen Ausgabe des Lukaskommentars von Am-
brosius (Corpus scriptorum eccl. lat. 32) zwar die alten
Einteilungen des Kommentars, nicht aber die Kapitel und
Verse des evangelischen Textes anzugeben, auf den sich
der Kommentar bezieht. Unter hundert Benutzern werden
doch neunundneunzig die Erklärung nach der Einteilung
des Textes und nicht nach den Abschnitten des Erklärers
einsehen und zitieren wollen.
5. Die äußere Ecke des oberen Randes der Seiten ist
gewöhnlich für die Seitenzahl bestimmt. Bei den eben
genannten Ausgaben von Texten, die von allen Benutzern
nach der feststehenden Einteilung zitiert werden, ist es aber
praktischer, diese Seitenzahlen in der inneren Ecke des
oberen Randes oder auch auf dem unteren Rande anzu-
bringen und die äußere obere Ecke für die Angabe der
Texteinteilung zu reservieren. Der eigentliche Kolumnen-
titel in der Mitte des oberen Randes würde dann nur die
kurze sachliche Inhaltsangabe der Seite enthalten. Jeden-
falls würde das Nachschlagen zB. in Hetzenauers Ausgabe
der Vulgata bedeutend erleichtert, wenn man, ohne das
Buch ganz aufschlagen zu müssen, gleich in der oberen
äußeren Ecke Kapitel und Vers der einzelnen Bücher an-
gegeben fände.
Wenn 0. Stählin ganz allgemein bemerkt, daß man
sachliche Inhaltsangaben bei textkritischen Ausgaben nicht
erwartet!), so dürfte doch der praktische Nutzen derartige
') 0. Stählin, Editionstechnik 417.
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