Full text : Wissenschaftliches Arbeiten

Verkehrte Titelmoden 323
Wenn zB. Ludwig Schneller sein bekanntes Buch über
Palästina „Kennst du das Land?“ betitelte und es damit
1899 auf 16 Auflagen brachte, so gebührte doch Sebastian
Brunner die Priorität und das Eigentumsrecht bei diesem
Titel, den er 1857 seinem Buche über Italien gab. „Ein
Buchtitel“, bemerkt Heinrich Keiter mit Recht, „ist doch
auch gewissermaßen ein Privateigentum, das man achten
soll“ 1).
6. Die irreleitenden Titel, vor denen Eberhard
Nestle an den oben angeführten Stellen wiederholt und
mit Recht gewarnt hat. Irreleitend sind Titel von Doppeldrucken
 ohne Hinweis auf die parallelen identischen Veröffentlichungen
 und Titel von gleichen Drucken. mit verschiedenen
 Angaben auf dem Titelblatt.
In gewisser Weise gehören zur letzteren Klasse auch
die sogenannten Titelauflagen, bei denen die neue
Auflage sich einzig und allein auf die Bemerkung: „zweite
Auflage“ o. ä. oder auf eine andere Fassung des Titels
erstreckt, während der Text überhaupt gar nicht neu gesetzt
 wurde.
Besonders in Frankreich scheint die Mode oder vielmehr die Unsitte
 der Titelauflagen sehr im Schwung zu sein. Edouard Le Roy
schreibt zB. in der Revue du Clerge francais (1908, 1) 238:
„.<«.. je voudrais faire savoir a vos lecteurs que toutes les 6ditions
de Dogme et Critique depuis la troisieme proviennent d’un seul et unique
tirage, lequel a 6t6, selon usage, reparti en plusieurs ‚editions‘, le
numerotage ne concernant que les couvertures d’exemplaires . .. “
7. Irreführend ist auch das Verfahren, auf dem Vortitel
 oder auf dem äußeren Umschlag dem Titel eine andere
 Fassung zu geben als auf dem eigentlichen Titelblatt.
 Das Buch von 7. K. Cheyne „Job and Solomon,
the Wisdom of the Old Testament“ (London 1887) wird
zB. auf dem Vortitel bloß „The Wisdom of the Old Testament“
 genannt; H. Clay Trumbull’s „Jonah in Nineveh“
(Philadelphia 1892) heißt auf dem äußeren Umschlag;
„Light on the story of Jonah“.
1) H. Keiter, Praktische Winke 18.

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