Full text: Wissenschaftliches Arbeiten

Die theologischen Seminare im besonderen 23 
die theologischen Fakultäten möglich, wünschenswert und ersprießlich 
seien“ (Die theologischen Studien und Anstalten der kath. Kirche in 
Österreich [Wien u. Leipzig 1894] 252). Im gleichen Sinne heißt es in 
der Festschrift des Innsbrucker akademischen Senates zum fünfzigjährigen 
Regierungsjubiläum S. M. des Kaisers Franz Joseph I: „Dazu kommen 
noch [an der theologischen Fakultät] Übungen teils wissenschaftlicher, 
teils praktischer Art, welche anfangs privatim abgehalten wurden, seit 
1864 (1863—64) auch unter dem Titel: Repetitorium, Disputationes, 
Academia, Collationes, Übungen, später auch als Seminar im Vor- 
lesungsverzeichnis angekündigt werden. Am ältesten sind jene über 
Dogmatik, Kirchenrecht, Moraltheologie und geistliche Beredsamkeit; 
jetzt sind auch solche aus Philosophie und Hebräisch eingeführt“ (Die 
Leopold-Franzens-Universität zu Innsbruck in den Jahren 1848—1898 
P- 20). Ein Blick in die Verzeichnisse der Vorlesungen zeigt, daß die 
Aufzählung der seminaristischen Übungen an der Innsbrucker theolo- 
gischen Fakultät weder bei Zschokke noch in der akademischen Fest- 
schrift Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Denn die Übungen, 
welche z. B. Joh. Wenig über „Analysis philologica pericoparum chal- 
daicarum Danielis et Esdrae“ 1864—65 ankündigte, werden ebensowohl 
als seminaristische bezeichnet werden müssen wie die kirchengeschicht- 
lichen Übungen „mit Anleitung zum kirchengeschichtlichen Quellen- 
studium“, die Hartmann Grisar 1875—76 und öfters abhielt. Außer- 
dem wurden von Joh. B. Katschthaler regelmäßig ein dogmengeschicht- 
liches und ein apologetisches „Conversatorium“ abgehalten, während 
später katechetische und liturgisch-praktische Seminarübungen unter 
Michael Gatterer hinzukamen. Seit 1901—02 kommen im biblisch- 
Patristischen Seminar, außer der Interpretation von geeigneten Texten 
und der Charakteristik der neuesten einschlägigen Literatur auch schrift- 
liche Arbeiten der Mitglieder zur Besprechung; schon in früheren Jahren 
wurde wiederholt ein alttestamentliches Seminar von Gust. Bickell, ein 
»Seminarium exegeticum“ von Ant. Tuzer, ein biblisches Seminar von 
Joh. B. Nisius gehalten. 
3. Alle diese verschiedenen seminaristischen Übungen 
waren übrigens für die Innsbrucker theologische Fakultät 
durchaus keine neue Einrichtung. Denn da für die Studien 
an derselben seit der ersten Begründung der alten Inns- 
brucker Universität und schon früher seit dem Bestehen 
des theologischen Studiums in der Tiroler Hauptstadt die 
Ratio studiorum Societatis Jesu maßgebend gewesen war, 
So standen auch die seminaristischen Übungen der alten 
Schule, wie wir sie im Vorausgehenden kennen gelernt 
haben. schon seit drei Jahrhunderten hier in Ansehen und
	        
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