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Die seminaristischen Übungen
Fünftes Kapitel
Die seminaristischen Übungen
17. Vorbemerkungen. 1. Die seminaristische Aus-
bildung muß naturgemäß auf den verschiedenen Gebieten
des Hochschulunterrichtes eine verschiedene Gestaltung an-
nehmen. Anders wird man in einem Seminar für Theo-
logen, Juristen, Philologen und Historiker vorgehen müssen
und anders in den Instituten für Mediziner und Naturwis-
senschaftler; ebenso wird wiederum eine verschiedene
Methode eingehalten werden in einem homiletischen, kate-
chetischen, liturgischen oder paläographischen Seminar und
bei den biblischen, patristischen, philologischen oder histo-
rischen Übungen.
9, Im allgemeinen wird man unter diesen verschieden-
artigen seminaristischen Einrichtungen zwei große Klassen
unterscheiden können. Bei der einen Gruppe liegt das
Hauptgewicht in der praktischen Ausbildung des einzelnen
durch eigenes Experimentieren und Versuchen und Üben
zur Förderung wissenschaftlicher Probleme und zur Erlan-
gung der fachwissenschaftlichen Kenntnisse und der not-
wendigen Gewandtheit, welche der Beruf erfordert. In der
anderen Klasse steht im Vordergrund die Behandlung einer
wissenschaftlichen Frage in einer größeren oder kleineren
schriftlichen Arbeit oder in einem mündlichen Vortrag. Die
beiden Gruppen schließen sich gegenseitig keineswegs
völlig aus. Vielmehr wird in jeder derselben, um den