Full text : Wissenschaftliches Arbeiten

Die seminaristischen Übungen
20. Lektüre und Interpretation. Allgemeinere
Verwendung als die Disputation findet bei den seminaristischen
 Übungen die Lektüre und Interpretation geeigneter
Texte.
1. In sachlicher Beziehung bietet sie Gelegenheit, in
die Kenntnis wichtiger Quellenschriften einer . Disziplin
genauer einzuführen und manche sprachliche und geschichtliche
 Punkte und andere nützliche Wahrheiten ins Gedächtnis
 zurückzurufen. In der Regel dürfte jedoch der methodische
 Vorteil höher eingeschätzt werden, daß bei diesen
Übungen die Studierenden mit den Regeln der Hermeneutik
und Kritik und ihrer praktischen Anwendung vertraut werden.
9, Unter beiden Rücksichten muß zunächst der zu behandelnde
 Text gut gewählt werden. Bei den meisten
Fächern empfiehlt es sich, wichtigere Quellenschriften von
nicht zu großem Umfange durchzunehmen, die womöglich
ein abgeschlossenes Ganze bilden und sich in einem Semester
 beendigen lassen. Dabei muß zugleich noch aus
einleuchtenden praktischen Gründen darauf Bedacht genommen
 werden, daß eine gute, wohlfeile und handliche
Ausgabe des Textes erhältlich ist, damit alle Mitglieder die
Schrift bei der Interpretation in Händen haben.
Dem praktischen Bedürfnis ist für eine Reihe von Seminaren
durch entsprechende Ausgaben von Quellenschriften Rechnung getragen
worden. Für die philologischen Seminare ist schon durch die treffliche
„Bibliotheca Teubneriana“ (Leipzig 1849—) mit ihren kritischen Ausgaben
 vollauf gesorgt. Den Theologen bietet die Sammlung von Hugo
Hurter eine reiche Auswahl von kleineren und größeren patristischen
Schriften (Sanctorum Patrum opuscula selecta ad usum praesertim
studiosorum theologiae, Edidit et commentariis auxit H. Hurter S. J.
Oeniponte 1868—1885. 48 Bändchen in 16°. Series altera. Ebd. 1884—
1892. 6 Bändchen in 12°. Kleinere patristische Texte mit besonderer
Rücksicht auf die Bedürfnisse theologischer Seminare veröffentlicht
Gerhard Rauschen in seiner 1904 begonnenen Sammlung (Florilegium
patristicum digessit verlit adnotavit Ferardus Rauschen. Bonnae 1904 ff.
Bisher 9 Hefte). Einen ähnlichen Zweck verfolgen die Sammelausgaben :
Bibliotheca Sanctorum Patrum et Scriptorum ecclesiasticorum. Roma
1900—; P. Lejay et Hipp. Hemmer, Textes et documents pour l’ etude
historique du Christianisme. Paris 1904—. — Über den Kreis der patristischen
 Schriften greifen zwei andere Sammlungen hinaus, die von

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