Lektüre und Interpretation 5
Gustav Krüger und von Hans Lietzmann herausgegeben werden:
Sammlung ausgewählter kirchen- und dogmengeschichtlicher Quellen-
schriften als Grundlage für Seminarübungen herausgegeben unter Lei-
tung von @. Krüger. Freiburg i. B. 1891—1896. 12 Hefte. Zweite
Reihe, Tübingen und Leipzig 1901 ff. — Kleine Texte für tiheolo-
gische Vorlesungen. Herausgegeben von H. Lietemann. Bonn 1903 ff.
Bisher 131 Hefte.
3. Bei der Lektüre und Interpretation im Seminar wird
man in verschiedener Weise vorgeben können. Entweder
bereiten alle Mitglieder‘ einen vorher bestimmten Abschnitt
des Textes vor, oder es werden einzelne für jede Stunde
damit beauftragt; doch müssen auch in letzterem Falle alle
übrigen sich vorher schon etwas mit dem Texte bekannt
zu machen suchen. Zum richtigen Verständnis des "Textes
wird vor allem eine gute Übersetzung gegeben werden
müssen, in der ein jeder das Ergebnis seiner hermeneu-
tischen Bemühungen im getreuen Anschluß an das Ori-
ginal und in einer für alle verständlichen und sprachrich-
tigen Weise vorlegen kann. Je nach dem besonderen Zwecke
des Seminars wird sich daran eine Besprechung und Erklä-
rung anschließen, in welcher mehr die sprachlichen oder
die historischen und sachlichen oder die technischen oder
auch die kritischen Gesichtspunkte hervorgehoben werden.
Eine möglichst allseitige Beteiligung sämtlicher Mitglieder
ist dabei sehr zu wünschen.
Es würde zu weit führen, die Grundsätze der Hermeneutik und
Kritik hier darzulegen; sie werden im zweiten Teile (15. und 16. Kap.)
zur Sprache kommen. Hier möge der Hinweis genügen auf die Aus-
führungen von Heinrich Kihn, Encyklopädie und Methodologie der
Theologie (Freiburg i. B. 1892) 120—99 und Friedrich Blass, Herme-
neutik und Kritik in: Handbuch der klassischen Altertumswissenschaft
von Iwan Müller 12 (München 1892) 139—295, woselbst die reichhal-
tige Literatur angegeben ist. _
Für die Übersetzung leistet gute Dienste das Büchlein von Paul
Cauer, Die Kunst des Übersetzens (*Berlin 1903); vgl. auch Blass aaQ0.
245—8; Kihn 195 f, — Das Prinzip, alles Nationale des Originals
möglichst abzustreifen, hat in neuester Zeit dazu geführt, z. B. auch
Jesus als unseren Landsmann und Zeitgenossen reden zu lassen; ein
solcher Übersetzer der Evangelien scheitert aber offenbar an der
zweiten Klippe, auf die Wilhelm von Humboldt hinwies, weil er „auf
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